Lucas Cranach d. Ä.

Der Schmerzensmann zwischen Maria und Johannes, um 1540

Mit schmerzerfülltem Gesicht blickt uns Christus, der zentral in der Bildmitte vor schwarzem Hintergrund situiert ist, entgegen. Deutlich tritt seine Seitenwunde hervor, die Dornenkrone hat sich tief in sein Fleisch gebohrt, sein Körper ist von der Pein gezeichnet. Der Erlöser sitzt vermutlich auf seiner Grabplatte, rechts und links flankieren ihn die Gottesmutter Maria und der Apostel Johannes. Sie dienen den Betrachtern als Identifikationsfiguren. Das Motiv des Schmerzensmannes ist ein typisches Andachtsbild, das den Gläubigen zur stillen Kontemplation, zum Mitleiden und Gedenken an die Passion anregen und anleiten soll. Sowohl von katholischer als auch von reformatorischer Seite aus war der Schmerzensmann ein beliebter Bildgegenstand. 1524 malte Cranach eine Version für Kardinal Albrecht von Brandenburg, doch auch dessen Gegenspieler, der Reformator Martin Luther, wertschätzte das Sujet für didaktische Zwecke als „seer fein […] fur den gemeinen Man“. Cranach d. Ä. und seine Werkstatt fertigten ab 1537 eine Reihe an Schmerzensmanndarstellungen an, was die Beliebtheit des Motivs unterstreicht. Die Hamburger Tafel trägt das Signet des Künstlers – eine gekrönte Schlange mit Flügeln – das zugleich die Marke des erfolgreichen Geschäftsmannes repräsentiert. Cranach d. Ä. gehört zu den bedeutendsten deutschen Malern, der unter anderem durch seine enge Freundschaft zu Luther an der Etablierung einer reformatorischen Bildsprache mitwirkte und zudem den noch handwerklich geprägten Malerstand mit der humanistischen Gedankenwelt verband.

Ann-Kathrin Hubrich

Details zu diesem Werk

Öl auf Holz (Lindenholz) 56,5 x 76,5 cm (Bild) Hamburger Kunsthalle, erworben 1943. Restauriert im Rahmen der Initiative »Kunst auf Lager« mit Mitteln der HERMANN REEMTSMA STIFTUNG, 2015 Inv. Nr.: HK-708 Sammlung: Alte Meister © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford

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