Johann Heinrich Wilhelm Tischbein

Landschaft bei Tivoli

Die linke Bildhälfte nimmt ein Eichenbaum ein, unter dem ein Kentaur ein Wildschwein jagt. Rechts der Ausblick auf Felsen, von denen sich ein Wasserfall in das Gewässer darunter ergießt; im Vordergrund ein hingelagerter Kentaur. Die Partien links unten sind unvollendet und nur vorbereitend angelegt.
Inv. 570 verbindet Erinnerungen an die Landschaft bei Tivoli mit einer Antikisierung in der Art Claude Lorrains für eine paarweise zusammengestellte »Schäferidylle in Gemälden«.1 Die Landschaft, von Tischbein als »das schöne Thal« bezeichnet,2 entstand als Pendant zu jener Idealen Landschaft, die das zentrale Stück des Oldenburger Idyllen-Zyklus darstellt.3
Tischbein hatte spätestens im Sommer 1819 beide Gemälde in seinen »Anordnungsplan I« des Zyklus aufgenommen.4 Bei der Auftragserteilung scheint die Raumsituation im Oldenburger Schloss jedoch bereits die Reduzierung auf eines der beiden Landschaftsgemälde erzwungen zu haben. So blieb Inv. 570 unvollendet.
Obwohl die Leinwand nicht angestückt wurde, sind links und rechts zwei Streifen retuschiert, ohne welche die Abmessungen von Inv. 570 dem Oldenburger Gemälde exakt entsprochen hätten. Eine Studie zur rechten Bildhälfte besitzt das oldenburgische Landesmuseum.5 Zu weiteren, ursprünglich für den Idyllen-Zyklus bestimmten Gemälden siehe Inv. 571 bis 574 und Inv. 576. G. W.

1 Schreiben Tischbeins an Ernestine Voss, ohne Datum, zit. n.: von Alten 1872, S. 314.
2 Siehe ebd., S. 131.
3 Lw., 127,5 x 100 cm, Landesmuseum Oldenburg; s. Ausst.-Kat. Oldenburg 1986, S. 235 f., Nr. 181, Abb. S. 173. Zur Entstehungsgeschichte vgl. Reindl 1982, S. 123, Anm. 25, und zuvor Landsberger 1908, S. 202, Nr. 45 (als verschollen). Wünsche waren Inv. 570 und die anderen Hamburger Gemälde aus dem Kreis des Idyllen-Zyklus in ihrer Monographie über die Bilderfolge entgangen (s. E. Wünsche, Der Oldenburger Idyllenzyklus Wilhelm Tischbeins, Phil. Diss. München 1956, S. 29 f. und passim).
4 Aquarellierte Federzeichnung über Bleistift, 51,7 x 73,1 cm, Landesmuseum Oldenburg; s. Ausst.-Kat. Oldenburg 1986,
S. 237, Nr. 193, und Reindl 1982, S. 109, Abb. 2 (irrtümlich als »Anordnungsplan II«).
5 Aquarellierte Federzeichnung über Bleistift, 54,1 x 38 cm, Landesmuseum Oldenburg; s. Ausst.-Kat. Oldenburg 1986,
S. 237, Nr. 200, Abb. S. 94.

AUSST.: Einführung 1905, S. 92, Nr. 488; Hermann Mildenberger, Johann Heinrich Wilhelm Tischbein. Goethes Maler und Freund, Landesmuseum Oldenburg [u. a.] 1986, S. 236, Nr. 182, Abb. S. 173; Sabine Schulze (Hrsg.), Goethe und die Kunst, Ausst.-Kat. Schirn Kunsthalle, Frankfurt
a. M., Kunstsammlungen zu Weimar 1994, S. 371, Nr. 275, Farbabb. S. 374 (Text v. Hermann Mildenberger).
LIT.: Friedrich von Alten (Hrsg.), Aus Tischbein’s Leben und Briefwechsel, Leipzig 1872, S. 314; Jahresbericht der Kunsthalle zu Hamburg für 1902, Hamburg 1903, S. 38; Franz Landsberger, Wilhelm Tischbein. Ein Künstlerleben des 18. Jahrhunderts, Phil. Diss. Breslau, Leipzig 1908,
S. 175, 202, Nr. 45; Katalog 1918, S. 171; Katalog 1921,
S. 178; Katalog 1930, S. 171; Katalog 1956, S. 160; Katalog 1966, S. 166; Meisterwerke 1969, o. S., Abb. 157; Peter Reindl, Johann Heinrich Wilhelm Tischbein. Idyllen, Dortmund 1982, S. 97, 110, 123, Anm. 25; Hermann Mildenberger, J. H. W. Tischbein, Philipp Otto Runge, Friedrich Overbeck. Aspekte des künstlerischen Austauschs, in: Jahrbuch des Schleswig-Holsteinischen Landesmuseums N. F. 1, 1986/87, S. 68; Peter Reindl, Die Idylle, in: Ausst.-Kat. Oldenburg 1986, S. 93 f.; Hermann Mildenberger, Die Oldenburger Idyllen, in: Ausst.-Kat. Frankfurt/Weimar 1994,
S. 365.

Details zu diesem Werk

Öl auf Leinwand 100cm x 131.3cm (Bild) 117cm x 151cm (Rahmen) Hamburger Kunsthalle, Geschenk von Charlotte Ziegler, Wiesbaden 1902 Inv. Nr.: HK-570 Sammlung: Alte Meister © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford

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