Johann Heinrich Wilhelm Tischbein

Selbstbildnis, um 1810

Das Brustbildnis zeigt den Künstler nach links gewendet vor neutralem Hintergrund. Im Bereich des blaugrauen Rocks, der über der braunen Grundierung zum Teil nur flüchtig angelegt ist, blieb das Gemälde unvollendet. Das schüttere Haar lässt einen etwa Sechzigjährigen erkennen; übereinstimmend wird von einer Entstehung um 1810, zu Anfang von Tischbeins zwei Jahrzehnten in Eutin, ausgegangen.2 Anders als in dem um 1772 entstandenen frühesten Selbstbildnis (siehe Inv. 598) weist Tischbein demonstrativ mit der Linken auf sich selbst und stellt gleichzeitig einen Zeichenstift als Künstlerattribut zur Schau.
Eine verkleinerte, 1822 von einem Schüler Tischbeins, Peter Nahmen Matthiessen, gemalte Kopie befindet sich in Hannover.3 Um 1830 wurde Inv. 564 von Wilhelm Unger lithographiert.4 Eine mit Inv. 564 vermutlich gleichzeitige Fassung befand sich auf Gut Godderstorf bei Neukirchen, eine spätere Variante in Dresdner Privatbesitz.5 G. W.

1 Drei Jahre später scheint Inv. 564 (wie auch Inv. 598) als »Vermächtnis von Fräulein Rothe« erneut als Neuerwerbung vorgestellt worden zu sein, vgl. Jahresbericht der Kunsthalle zu Hamburg für 1904, Hamburg 1905, S. 28; ebenso Ausst.-Kat. Hamburg 1904, S. 42, Nr. 5; die Gründe waren nicht zu ermitteln.
2 Siehe H. Mildenberger in: Ausst.-Kat. Oldenburg 1986, S. 244, Nr. 250.
3 Lw., 48,2 x 38,5 cm, Niedersächsisches Landesmuseum Hannover, Landesgalerie, Inv. PAM 977; s. Katalog Hannover 1990, S. 98, Abb.
4 21,4 x 14,1 cm, Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen, Schloß Gottorf, Inv. 1960/423; s. Schleswig-Holsteinische Künstlerporträts, aus dem Bestand des Schleswig-Holsteinischen Landesmuseums, Schleswig 1981, S. 66, Nr. 197, Abb.
5 Siehe Katalog 1966, S. 164, und Notiz D. Roskamps vom
20. 9. 1965.

AUSST.: Bildniskunst. Einführung in die neuen Erwerbungen des Jahres 1904, Hamburger Kunsthalle 1904,
S. 42, Nr. 5; Einführung 1905, S. 90, Nr. 470; Johann Heinrich Wilhelm Tischbein. Gedächtnis-Ausstellung, Oldenburger Landesmuseum 1930, S. 55, Nr. 394, Abb. 3; Runge in seiner Zeit, hrsg. v. Werner Hofmann, Hamburger Kunsthalle 1977, S. 265, Nr. 264, Abb. (Text v. Siegmar Holsten); Hermann Mildenberger, Johann Heinrich Wilhelm Tischbein. Goethes Maler und Freund, Landesmuseum Oldenburg [u. a.] 1986, S. 244, Nr. 250, Abb. S. 195; 3 x Tischbein und die europäische Malerei um 1800, Staatliche Museen Kassel, Neue Galerie, Museum der bildenden Künste Leipzig 2005, S. 222 f., Nr. 77, Farbabb. (Text v. Richard Hüttel).
LIT.: Jahresbericht der Kunsthalle zu Hamburg für 1902, Hamburg 1903, S. 36; Franz Landsberger, Wilhelm Tischbein. Ein Künstlerleben des 18. Jahrhunderts, Phil. Diss. Breslau, Leipzig 1908, S. 198, Nr. 134; Wolfgang Sörrensen, Joh. Heinr. Wilhelm Tischbein. Sein Leben und seine Kunst, Berlin/Stuttgart 1910, S. 109; Katalog 1918, S. 170; Katalog 1921, S. 176; Katalog 1930, S. 168; Lilli Martius, Der »Eutiner« Tischbein, in: Nordelbingen 20, 1952, S. 115, Abb. 1; Katalog 1956, S. 157; Katalog 1966, S. 164; Meisterwerke 1969, o. S., Abb. 156; Ernst Schlee, Der Maler Oluf Braren 1787-1839, Husum 1986, S. 27, Abb.

Details zu diesem Werk

Leinwand 54.3cm x 46.7cm (Bild) 66.5cm x 60.5cm (Rahmen) Geschenk von Charlotte Ziegler, 1902 Inv. Nr.: HK-564 Sammlung: Alte Meister © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford

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