Johann Heinrich Wilhelm Tischbein
General Graf von Bennigsen mit seinem Stab vor Hamburg
Der erste bekannte Besitzer des Gemäldes, Otto Christian Gaedechens, hatte Inv. 584 noch als »Copie von Wm. Tischbeins eigener Hand« aufgeführt.2 Einer solchen Bestimmung widerspricht jedoch schon die peinlich genaue Ausführung der Uniformen und Orden. Tatsächlich handelt es sich um eine detaillierte Ölskizze, die Tischbein dem Hamburger Rat vor Januar 1815 für das »Gemälde des Generals Bennigsen und seiner Generalität beim Einzuge in Hamburg« vorlegte.3 Im Vertrag über die monumentale Ausführung Inv. 583 (siehe dort) diente die Skizze als Ausgangspunkt: »Herr Direktor Tischbein verpflichtet sich, ohne Verzug an die Ausführung des Gemäldes nach der von ihm entworfenen und genehmigten Skizze zu gehen.«4
Tischbein war es vertraglich freigestellt, Veränderungen einzubringen, »die die Wirkung des Bildes erhöhen«, ohne dass der Künstler jedoch zusätzliche Portraits einfügen durfte.5 War die erste Bildidee lediglich ein lebensgroßes Bildnis General Graf Bennigsens gewesen, so erweiterte Tischbein das ausgeführte Gemälde gegenüber der Skizze noch um zusätzliche russische Soldaten zu Pferde und Einheiten des russischen und Hamburger Militärs im Hintergrund. Die Gruppe Bennigsens und seines Stabes ist in der Skizze kompakter zusammengefasst als im ausgeführten Gemälde. Mit einer Darstellung baschkirischer Reiter existiert mindestens eine ähnliche Ölskizze Tischbeins aus dem Kreis der Vorarbeiten für das Gemälde,6 das jedoch überwiegend durch gezeichnete Studien vorbereitet wurde (siehe unter Inv. 583). G. W.
1 »Alter Bestand« nach den Katalogen seit 1918. Die Art der Erwerbung ist unklar, doch gelangte der größere Teil der Sammlung Gaedechens 1889 als Stiftung in die Kunsthalle.
2 Gaedechens 1853, S. 3, Nr. 56.
3 Zit. n. Senatsprotokoll in: Huck 1967, S. 27.
4 Aus dem Vertrag zwischen Rat und Künstler vom 15. 2. 1815, zit. n.: ebd., S. 27 f.
5 Ebd.
6 Baschkiren zu Pferde, Holz, 38 x 50 cm, Landesmuseum Oldenburg; s. Ausst.-Kat. Oldenburg 1930, S. 56, Nr. 399, Abb. 28.
AUSST.: Johann Heinrich Wilhelm Tischbein. Gedächtnis-Ausstellung, Landesmuseum Oldenburg 1930, S. 56, Nr. 397.
LIT.: Gaedechens 1853, S. 3, Nr. 56; Wolfgang Sörrensen, Joh. Heinr. Wilhelm Tischbein. Sein Leben und seine Kunst, Berlin/Stuttgart 1910, S. 120; Katalog 1918, S. 174; Katalog 1921, S. 180 f.; Katalog 1930, S. 170; Katalog 1956, S. 159; Katalog 1966, S. 165; Jürgen Huck, Graf von Bennigsens Hamburger Bilder von J. H. W. Tischbein, Chr. Suhr und H. von Seidel, in: Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte 53, 1967, S. 23-35, Abb. 3.
Details about this work
Beschriftung: Unten rechts Reste einer Bezeichnung.
Slg. Otto Christian Gaedechens, Hamburg 1853; ?Cipriani Francesco Gaedechens-Stiftung 1889 (‘Alter Bestand’ nach den Katalogen seit 1918); Leihgabe an das Museum für Hamburgische Geschichte 1928-2002
Katalog der Alten Meister der Hamburger Kunsthalle, Herausgeber: Carl Georg Heise, 1966, S. 165, Abb.-Nr.
Kunsthalle zu Hamburg. Katalog der Alten Meister, 1921, S. 180-181, Abb.-Nr.
Katalog der Alten Meister der Hamburger Kunsthalle, 1956, S. 159, Abb.-Nr.
Kunsthalle zu Hamburg. Katalog der Alten Meister, Gustav Pauli, 1918, S. 174, Abb.-Nr.
Kunsthalle zu Hamburg. Katalog der Alten Meister, 1930, S. 170, Abb.-Nr.
Verzeichnis (Ms., Abschrift in der Hamburger Kunsthalle), Otto Christian Gaedechens, 1853, S. 3, Abb.-Nr. , Kat.-Nr. 56
Johann Heinrich Wilhelm Tischbein 1751-1829. Gedächtnis-Ausstellung von Gemälden, Zeichnungen, Stichen und Manuskripten etc. aus deutschem und ausländischem Museums- und Privatbesitz; Oldenburger Landesmuseum, 1930, S. 56, Abb.-Nr. , Kat.-Nr. 397
Joh. Heinr. Wilhelm Tischbein. Sein Leben und seine Kunst, Wolfgang Sörrensen, 1910, S. 120, Abb.-Nr.
Graf von Bennigsens Hamburger Bilder von Joh. H. W. Tischbein, Chr. Suhr und H. von Seidel, Jürgen Huck, 1967, S. 23-25, Abb. S. 3, Abb.-Nr.
Die deutschen, englischen, französischen, italienischen und spanischen Gemälde 1350-1800 (Die Sammlungen der Hamburger Kunsthalle, Bd. 1), Martina Sitt; Herausgeber: Uwe M. Schneede und Martina Sitt, 2007, S. 355-356, Abb., Abb.-Nr.
Verzeichnis der nach Verkauf der Sammlung in seinem Besitz verbliebenen und für die Verteilung unter seine Kinder bestimmten Bilder, in: Katalog der Sammlung O. C. Gaedechens in Hamburg 1828 und 1853, Catalog meiner vorzüglichsten Gemälde, Otto Christian Gaedechens, 1828, Abb.-Nr.