Edgar Degas

Vor dem Spiegel, um 1889

Seit etwa 1870 zog Degas Pastellkreiden wegen der Sinnlichkeit ihrer Maloberfläche und der Leuchtkraft der Farben anderen Malmitteln vor. Aus großer Nähe von schräg oben gesehen, malte er die Rückenansicht einer Frau, die sich am Frisiertisch ihre Haare bindet. Vor dem Spiegel befinden sich eine Haarbürste, ein Kamm, zwei Flakons und ein Haarteil. Die Krempe des geschmückten Huts verdeckt die Augen der Dargestellten, die sich nicht im Spiegel ansieht. Dort ist nur eine verschwommene Reflexion ihres Oberkörpers zu erkennen. Degas führt die Betrachter nah an die Frau bei der Toilette heran und entzieht sie zugleich deren Blicken. Er bringt sein Motiv mit der Darstellungsweise des Gemäldes in Einklang, indem er die Oberfläche des Papiers mit den Kreiden so behandelt, wie die Frau ihre Haare pflegt: Die Haut ihres Rückens ist wie mit einem Kamm, die blaue Wand links wie mit einer Bürste bearbeitet. Das Pastell ist ein Beispiel für den experimentellen Umgang mit diversen Maltechniken, der für das Spätwerk des Künstlers charakteristisch ist.

Daniel Koep
Eine Dame, deren Oberkörper vom Rücken gesehen ist, sitzt im Négligé, mit dem Hut auf dem Kopf, vor dem Toilettentisch. Mit der Linken hält sie die Flechten am Hinterkopf fest, die sie mit der Rechten kämmt. Unter dem Spiegel liegen Bürste, Kamm, Zopf u. a.

Details about this work

Pastell auf Papier 490 x 640 mm (Blatt) Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett, CC-BY-NC-SA 4.0 Inv. Nr.: 74421 Collection: KK Zeichnungen, Frankreich, 19. Jh. © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford

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