Sigmar Polke

Familie I, 1964

Die Menschen auf dem stark vergrößerten Familienporträt Sigmar Polkes sind aufgrund der Zerlegung in zahlreiche kleine, schwarze Punkte kaum noch zu erkennen. Ein Familienvater posiert mit seinen Kindern – viel mehr lässt sich nicht mit Sicherheit bestimmen. Polke arbeitete seit den frühen 1960er Jahren mit fotografischen Vorlagen aus dem Alltagsleben, die er in Malerei übertrug und durch einzelne, akribisch mit dem Radiergummi eines Bleistifts gestempelte oder mit dünnem Pinsel gemalte Rasterpunktmuster entfremdete. Der Maler konterkarierte damit die vorherrschende, schnelllebige Sichtweise der kapitalistischen und medial inszenierten Gegenwart und hinterfragte grundsätzlich die Authentizität von Fotografien, beispielsweise in Zeitungskontexten. Polke äußerte in einem, 1966 unter dem Titel „Kultur des Rasters“ publizierten, Ateliergespräch: „Das Raster ist für mich ein System, ein Prinzip, eine Methode, Struktur. Es zerlegt, zerstreut, ordnet und macht alles gleich. […] Struktur meiner Zeit, Struktur einer Gesellschaftsordnung, einer Kultur, genormt, geteilt, aufgeteilt, eingeteilt, gruppiert, spezialisiert.“

Inga Dreesen

Details about this work

Dispersionsfarbe auf Leinwand | Emulsion paint on canvas 160 x 125 x 2 cm (Objekt) Sammlung Elisabeth und Gerhard Sohst in der Hamburger Kunsthalle Inv. Nr.: 300241 Collection: Kunst der Gegenwart © „Sammlung Elisabeth und Gerhard Sohst in der Hamburger Kunsthalle“ / VG Bild-Kunst, Bonn

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