Jörg Immendorff
"Lidlstadt / Lidlraum, Düsseldorf, Blücher / Ecke Parkstr. vom 5.8.68 bis 10.8.69, am 5.8.68 um 20 Uhr / Tierlidl, eine Arbeitswoche von und mit Jörg Immendorff, Beobachter der Woche Reinecke. Kurier der Woche Scholz, Photos Thomas Tilly, Jörg Immendorff", 1968
Düsseldorf, Immendorff
Das mit Lidlstadt bzw. Lidlraum betitelte Werk fällt zusammen mit dem Plan zu einer umfassend angelegten Aktion des Künstlers, bei der Lidlstadt und -raum als Teil einer Lidlkommune nur einzelne Facetten bilden. Die Bezeichnung „Lidl“ ist an einen von einem Kind hervorgebrachten Laut angelehnt und hat keine spezifische Bedeutung. Die Aufzeichnungen und Fotografien des Künstlers vereinende Publikation liefert eine Dokumentation oder – mit den Worten des Künstlers ausgedrückt – einen „Lagebericht“ über Vorgänge im Rahmen der Aktion, die sich in einem bestimmten Raum vollziehen. In den nach den Wochentagen gegliederten Notizen liefert Immendorff Beschreibungen, die sich vor allem um seine eigenen Handlungen drehen und die durch alltägliche monotone Wiederholung dadaistische Züge annehmen, umso mehr, als auch Tiere wie Nilpferd, Elefant, Schildkröte und Vogel einbezogen werden und in offenkundiger Anspielung auf Beuys von „Honigstraße“ und „Honigfeld“ die Rede ist. Auch die mit Kreide auf Tafeln aufgezeichneten Konzepte der Lidlaktion zeigen Bezüge zu Beuys. Kartographische Pläne sollen die Aktion im Raum verorten, Fotografien von Raum und Künstler ihre Authentizität bezeugen. Die Lidlstadt bleibt jedoch nur Konzept, das über Modelle aus Bauklötzchen, Holz und Pappe und das als Zeitung gestaltete Künstlerbuch nicht hinauskommt.
Viola Hildebrand-Schat
Jörg Immendorff’s work Lidlstadt (or Lidlraum) coincides with his plan for an extensive action in which Lidlstadt/Lidlraum was only one facet of a whole “Lidlkommune”. The term “Lidl” is based on baby -talk and has no specific meaning. The artist’s accounts and photographs presented in the publication provide documentation or – in his words – a “status report” on occurrences within the scope of the action, all of which take place in a particular space. Arranging his notes according to the days of the week, Immendorff supplies descriptions that revolve mainly around his own actions and take on a Dadaist twist through their monotonous repetition – all the more so when he brings in animals such as a hippo, elephant, turtle and bird and makes obvious reference to Joseph Beuys’s “Honey Road” and “Honey Field”. The concepts for the Lidl action, jotted down on chalkboards, also recall Beuys. Cartographic plans are meant to situate the action in space, while photographs of the space and the artist attest to its authenticity. The Lidlstadt remained only a concept, however, never going beyond the models made of building blocks, wood and cardboard and the artist’s book in the form of a newspaper.
Viola Hildebrand-Schat
Details zu diesem Werk
Chris Reinecke. 60er Jahre - Lidl-Zeit, Barbara John, Susanne Rennert, Stephan von Wiese; Herausgeber: Barbara John, 1999, Abb.-Nr.
Hier und jetzt. Das tun, was zu tun ist. Materialien zur Diskussion: Kunst im politischen Kampf. Auf welcher Seite stehst Du, Kulturschaffender?, Jörg Immendorff, 1973, Abb.-Nr.
Künstlerbücher. Die Sammlung, Andrea Joosten, Petra Roettig; Herausgeber: Andrea Joosten, Petra Roettig; Hamburger Kunsthalle, 2017, S. 68-69, Abb., Abb.-Nr.