Jean-Honoré Fragonard

Der Philosoph, um 1764

Das Porträt des Rokoko-Malers Fragonard zeigt einen gebrechlichen Greis beim Studium eines Textes. Weit in die rechte Hälfte des Bildovals gelehnt, blickt er gebannt in das vor ihm aufgestellte Buch, sein Gesicht befindet sich im Schatten. Mit dem linken Arm stützt er sich auf einen Stapel Papiere, der angewinkelte rechte Arm öffnet den Bildraum zu den Betrachtern hin. Sein Haar und sein Bart sind wild gelockt, die Falten des Gewandes fließen leicht und elegant. Die geistige Erregung des Mannes findet ihre Entsprechung in der frei fließenden Pinselführung des Malers. Der Alte ist als heiliger Hieronymus oder Philosoph bezeichnet worden – in Abwesenheit aller Attribute ist seine Identität jedoch unwesentlich. Durch das betonte Chiaroscuro sind sein Kopf und die Schrift aus dem Dunkel deutlich hervorgehoben. Thema des Bildes sind die Erleuchtung und die Leidenschaft, die mit der Hingabe an die geistige Arbeit einhergehen. Damit gibt Fragonard einem zentralen Topos seiner Zeit, dem Licht der Aufklärung, bildnerischen Ausdruck.

Daniel Koep

Details zu diesem Werk

Öl auf Leinwand oval, 59 x 72,2 cm (Bild) Hamburger Kunsthalle, erworben mit Hilfe einer Sonderbewilligung von Senat und Bürgerschaft und mit Unterstützung der Campe’schen Historischen Kunststiftung, 1960 Inv. Nr.: HK-777 Sammlung: Alte Meister © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford

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