Meister der weiblichen Halbfiguren

Eine Lautenspielerin, um 1520-1540

Eine vornehm gekleidete junge Frau spielt auf einer Laute. Sie trägt ein rotes, samtenes Kleid und eine Haube auf dem Kopf, einen goldenen Ring am Finger ihrer rechten Hand und eine filigrane Kette mit einem aufwändig gearbeiteten, mit Perlen und Rubinen besetzten Anhänger. Die Dame blickt auf ein aufgeschlagenes Liedheft auf dem Tisch vor ihr, der mit einem ornamentierten Teppich bedeckt ist. Der Text der Strophe ist lesbar: „Si j’ayme mon amy / trop, plus que mon mary / Se n’est pas de mervelles“ (wenn ich meinen Freund mehr liebe als meinen Ehemann, so wundert dies niemanden). Das Gedicht stammt von Clément Marot (1495?–1544) und wurde 1529 veröffentlicht, die Melodie wurde von Claudin de Sermisy (um 1490–1562) komponiert. Die anmutige, tugendhafte Darstellung der gebildeten Lauten¬spielerin steht in Kontrast zum ein¬deutigen Hinweis auf Ehebruch im Lied. Ungeklärt ist die Deutung des kostbaren Gefäßes in der Nische links, das sowohl als Salbgefäß der Maria Magdalena inter¬pretiert als auch als rein dekoratives Element im Bild gesehen wird.

Sandra Pisot

Details zu diesem Werk

Öl auf Eichenholz 37,5 x 26,8 (Bild) Treuhandvermögen der Freien und Hansestadt Hamburg, vormals Stiftung Siegfried Wedells Inv. Nr.: HK-760 Sammlung: Alte Meister © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford