Frans Francken d. J.
Tobias Verhaecht

Die Israeliten am Roten Meer, 1621

Die vielfigurige Komposition zeigt in einem simultanen Geflecht unterschiedlicher Handlungsstränge ein einschneidendes Ereignis in der Geschichte des israelitischen Volkes: den im Alten Testament im Buch Exodus (Ex 1-15) geschilderten Auszug aus Ägypten. Nach Jahrhunderte währender Gefangenschaft ließ der Pharao Moses und das israelische Volk endlich ziehen, verfolgte sie letztendlich aber doch aus Rache, und holte sie am Schilfmeer ein. Um das auserwählte Volk Israels zu retten, trennte Gott die Wassermassen, sodass dieses das Meer unbeschadet durchqueren konnte. Die Ägypter ließ er in den Fluten ertrinken. Die sichere Ankunft der Israeliten an Land sowie die den Feind umschließenden tödlichen Wellen werden einander im Vorder- und Hintergrund in dramatischer Steigerung gegenübergestellt. Über allem schwebt in der Bildmitte die Feuersäule, die Gott bei Nacht am Himmel erleuchten ließ, um den Israeliten den rechten Weg zu weisen (Ex 13,17-22).
Am Ufer steht der gehörnte Moses. Im Vordergrund sind die Gebeine des Josef, der Sohn Jakobs, im Sarg verwahrt (Ex 13,19). Links vorne führt uns die Frau mit ihrem Blick in die Komposition hinein und verweist mit dem nackten Kind auf ihrem Schoß auf die Auslösung der Erstgeborenen (Ex, 13,13) sowie auf die Kiste, auf der Francken das Gemälde mit der Inschrift „D O. F. FRANCK IN. ET FECIT“ signiert hat. Die Landschaft stammt von Tobias Verhaecht.
Francken hat das Thema aus dem Alten Testament mehrfach gemalt und dabei Figurengruppen und Kompositionselemente variiert. Inhaltlich wird die Geschichte oft mit den politischen Auseinandersetzungen zwischen Spanien und der Republik der Sieben Vereinigten Provinzen parallelisiert, an dessen Ende 1648 die Unabhängigkeit der nördlichen Niederlande stand.

Ann-Kathrin Hubrich

Details zu diesem Werk

Öl auf Eichenholz cm x cm (Bild) Hamburger Kunsthalle, Vermächtnis Johannes Amsinck, 1879 Inv. Nr.: HK-62 Sammlung: Alte Meister © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford

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