Peeter Snayers
Jacques Fouquier, ehemals

Waldlandschaft mit Überfall

In einem Wald mit sandiger Böschung und hoch aufragenden Birken geraten zwei Reiter in einen Hinterhalt. Einer von ihnen stürzt zu Boden, von Schüssen der von rechts nahenden Räuber getroffen.
Die alte Zuschreibung an Jacques Foucquier hat bereits Stechow zurückgewiesen. Der Vergleich mit datierten Werken Fouquiers aus der Zeit um 1620 bestätigt die Ablehnung.1 Die Neuzuschreibung an Peeter Snayers beruht auf dem Vergleich mit signierten Werken des Malers in Berlin, Valenciennes und Madrid. Der Waldweg mit Wanderern in Berlin stellt eine ähnliche Landschaft dar; typisch für Snayers ist das flüchtig getupfte Blattwerk der Birken.2 Auf dem Gemälde in Valenciennes ist ein Überfall auf einen Planwagen zu sehen; die aus dem Hinterhalt hervorkommenden Räuber sind mit denen auf Inv. 61a vergleichbar.3 Ein 1634 datiertes Gemälde Snayers' mit einem Schlachtengetümmel inmitten einer hügeligen Waldlandschaft kommt in der Raumaufteilung sehr nahe.4 Die Gesichter der Figuren sind auf allen Gemälden stark typisiert.
Inv. 61a dürfte in den dreißiger Jahren entstanden sein. Einzelne Motive wie die überhängenden Grasnaben, die hell beschienenen Sandhügel oder die feinen Birkenstämme erinnern an Landschaften von Jacques d'Arthois, Loedewijk de Vadder oder an Lucas Achtschellinck.

Thomas Ketelsen 2001

1 Vgl. I. Ember, Un paysage de Jacques Foucquier au Musée des Beaux-Arts, in: Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts 50, 1978, S. 63-72.
2 Waldweg mit Wanderern, 77,2 x 122,7 cm, bez. Peeter Snayers. c. i. Pictor, Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie, Inv. 751; s. Katalog Berlin 1996, S. 113, Abb. 1063. Vgl. auch die beiden Waldstücke mit Philip IV. als Jäger im Prado, Madrid, Inv. 1736, 1737; El Siglo de Rubens en el Museo del Prado,
3 Bde., Madrid 1996, Bd. 2, S. 1218-1221.
3 Lw., 68 x 117 cm, Musée des Beaux-Arts, Valenciennes,
Inv. P. 46.150; A la gloire du Roi. Van der Meulen, peinture des conquêtes de Louis XIV, hrsg. v. E. Starcky, D. Wagener, Ausst. Kat. Musée des Beaux-Arts, Dijon, Musée d'Histoire de la ville de Luxembourg 1998, S. 49, Abb. 17.
4 Holz, 53 x 74 cm, Verst. London (Sotheby's), 8. 7. 1987,
Nr. 218.

Lit.: Verzeichnis 1887, S. 11, Nr. 61a; Katalog 1918, S. 51 f.; Katalog 1921, S. 53; Katalog 1930, S. 48 f.; Wolfgang Stechow, Drawings and Etchings by Jacques Foucquier, in: Gazette des Beaux-Arts 34, 1948, S. 423, Anm. 8; Katalog 1956, S. 60; Katalog 1966, S. 62.

Details zu diesem Werk

Slg. Martin Joseph Haller (1770-1852), Hamburg, ? - 1852 (1); Slg. Johann Christian (16.1.1801-24.5.1871) und Augusta / Auguste Clara Söhle (geb. Haller, 1799-1883), ? - 11.4.1883 (2); Vermächtnis letzterer, 11.4.1883 (3)

1) HAHK: Slg 505, Söhle: "Auszug aus dem am 24. December 1870 errichteten Additerment zum Testament des Herrn Oberalten Johann Christian Söhle. Publiciert am 1. Juni 1871. Die Bilder welche von meinem sel. Schwiegervater herstammen, sollen nach dem Ablieben meiner lieben Frau der öffentlichen Kunsthalle geschenkt werden, nachdem diesselben mit einer kleinen Metallplatte, bezeichnet "aus M. J. Haller Nachlaß" versehen sind. Testamentsvollstrecker: Die Herren Senator Dr. Haller und J. E. Haller."
2) HAHK: Slg 505, Söhle: "Auszug aus dem am 24. December 1870 errichteten Additerment zum Testament des Herrn Oberalten Johann Christian Söhle. Publiciert am 1. Juni 1871. Die Bilder welche von meinem sel. Schwiegervater herstammen, sollen nach dem Ablieben meiner lieben Frau der öffentlichen Kunsthalle geschenkt werden, nachdem diesselben mit einer kleinen Metallplatte, bezeichnet "aus M. J. Haller Nachlaß" versehen sind. Testamentsvollstrecker: Die Herren Senator Dr. Haller und J. E. Haller." Auguste Clara war die Tochter von Martin Joseph Haller. Johann Christin Söhle, Schwiegersohn Martin Joseph Hallers, war "1830 in das von seinem Schwiegervater Martin Joseph Haller 1797 gegründete Bank- und Warengeschäft" eingetreten, "das darauf seinen Namen in Haller, Söhle & Co. änderte. Söhle führte das Geschäft nach dem Tod 1852 seines Schwiegervaters zusammen mit seinem Schwager Johann Eduard Haller sehr erfolgreich fort." aus: http://www.wikiwand.com/de/Johann_Christian_S%C3%B6hle (20.12.2018, UH). An anderer Stelle wird als Heiratsdatum der 26.9.1829 geannnt, siehe: http://www.hamburgerpersoenlichkeiten.de/hamburgerpersoenlichkeiten/login/person.asp?reqid=1073 (20.12.2018, UH).
Zu Augste Clara Söhle: „Und hier möchte ich der guten Tante Auguste Söhle ein kleines Denkmal setzen. Niemand, der diese kleine, runde, geschäftige Hausfrau sah oder ihr auf dem Hopfenmarkt begegnete, wo sie stets persönlich die Einkäufe von Fischen, Gemüsen und dergleichen besorgte und in Platt über den Preis verhandelte - niemand würde in ihr eine geistvolle, hochgebildete Dame vermutet haben, die nicht nur Englisch und Französisch, sondern auch Italienisch, Spanisch und Russisch sprach, wozu sie durch die häufigen Tischbesuche auswärtiger Geschäftsfreunde ihres Vaters reichliche Gelegenheit fand.“ Siehe Martin Halle, Erinnerungen an Kindheit und Elternhaus, hrsg. von Renate Hauschild-Thiessen. Hamburg: Gesellschaft der Bücherfreunde zu Hamburg. Hambur 1985, S. 11.
3) HAHK: Slg 505, Söhle: Notiz von Inspector C. Meyer: Die von Herrn Oberalten Johann Christian Söhle der Kunsthalle vermachten Ölgemälde, 15 an der Zahl, sind nach dem Ableben der Witwe am 11. April 1883 an die Kunsthalle abgeliefert." Gelistet sind Werke von "Jan Brueghel, Jan ten Compe, W. Fergusson, (?), Fouquiers J., F. Snyders, Weenix J. B., (?) Terburg, D. Bloot, v. d. Neer, du Jardin, 4 Unbekannt."

Stand: 20.12.2018, Ute Haug.

Katalog der Alten Meister der Hamburger Kunsthalle, Herausgeber: Carl Georg Heise, 1966, S. 62, Abb.-Nr.

Kunsthalle zu Hamburg. Katalog der Alten Meister, 1921, S. 53, Abb.-Nr.

Die niederländischen Gemälde 1500-1800, Thomas Ketelsen; Herausgeber: Uwe M. Schneede, 2001, S. 260-261, Abb.-Nr.

Katalog der Alten Meister der Hamburger Kunsthalle, 1956, S. 60, Abb.-Nr.

Kunsthalle zu Hamburg. Katalog der Alten Meister, Gustav Pauli, 1918, S. 51-52, Abb.-Nr.

Kunsthalle zu Hamburg. Katalog der Alten Meister, 1930, S. 48-49, Abb.-Nr.

Kunsthalle zu Hamburg. Verzeichniss der Sammlung von Gemälden. Neudruck der Ausgabe von 1886, Herausgeber: Kunsthalle zu Hamburg, 1887, S. 11, Abb.-Nr. , Kat.-Nr. 61a

Drawings and Etchings by Jacques Foucquier, Wolfgang Stechow, 1948, S. 423, Anm. 8, Abb.-Nr.

Öl auf Leinwand 74.5cm x 109.5cm (Bild) 86.5cm x 120.5cm (Rahmen) Hamburger Kunsthalle Inv. Nr.: HK-61a Sammlung: Alte Meister Bildnachweis: Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford

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