Lucas Cranach d. Ä.

Friedrich der Weise, Johann der Beständige und Johann Friedrich der Großmütige, Kurfürsten von Sachsen

Cranach d. Ä. wurde 1505 von Friedrich dem Weisen als Hofmaler nach Wittenberg berufen, wo er beinahe 50 Jahre für die sächsischen Kurfürsten arbeitete. In seiner Werkstatt führte er zahlreiche repräsentative Aufträge aus, darunter eine große Anzahl von Herrscherporträts. Die als Triptychon konzipierten Tafeln zeigen vor einem durchgehenden Landschaftshintergrund von links Friedrich den Weisen, Johann den Beständigen und Johann Friedrich den Großmütigen aus der ernestinischen Linie der Wettiner. Letzterer ist nicht nur der Auftraggeber des Dreierporträts, sondern wird durch das sächsische Wappen als aktueller Regent ausgewiesen. Die Bildnisse seiner Vorgänger schmücken Lobverse, die gleichzeitig die Reichs- und Kaisertreue und die reformatorische Überzeugung thematisieren. 1532 hatte Kurfürst Johann Friedrich die Regentschaft übernommen und sich durch sein Bekenntnis zur Reformation gegen Kaiser Karl V. gestellt. Die Darstellung seines Porträts
in Verbindung mit den beiden verstorbenen Vorgängern verdeutlicht die
dynastische Legitimation seiner Regierung.

Sandra Pisot
FRIEDERICH DER DRIT: CHUR- / FURST VND HERTZOG ZU / SACHSSEN.

Fridrich bin ich billich genand
Schönen frid ich erhielt ym land.
Durch gros vernunfft: gedult vnd glück
Widder manchem ertzbösem tück.
Das land ich zieret mit gebew
Vnd stifft ein hohe Schul auffs new.
Zu Wittemberg ym Sachssenland
Inn der welt die ward bekand.
Denn aus der selb kam Gottes wort
Vnd thet gros ding an manchem ort.
Das Bepstlich Reich störtzt es nidder.
Vnd bracht rechten glauben widder.
Zum Keisar ward erkoren ich
Des mein alter beschweret sich.
Dafür ich Keisar Carl erwelt
Von dem mich nicht wand gonst noch gelt.

JOHANS DER ERST: CHUR- / FURST VND
HERTZOG ZU / SACHSSEN.

Nach meines lieben bruders end
Bleib auff mir das gantz Regimend.
Mit grosser sorg vnd mancher fahr
Da der Bawr toll vnd töricht war.
Die auffrhur fast ynn allem land
Wie gros fewr ym wald entbrand.
Welches ich halff dempfen mit Gott
Der Deudsches land erret aus not.
Der Rottengeister feind ich war
Hielt ym land das wort rein vnd klar.
Gros dreiwen: bittern hass vnd neid
Vmb Gottes worts willen ich leid.
Frey bekand ichs aus hertzem grund
Vnd personlich selbst ich da stund.
Vor dem Keisar vnd gantzem Reich
Von Fürsten geschach vor nie des gleich.
Solchs gab mir mein Gott besunder
Vnd vor der welt was ein wunder.

Vmd land vnd leut zu bringen mich
Hofft beid freund und feind gewislich.
Ferdnand zu Römschen König gmacht
Vnd sein wahl ich allein anfacht.
Auff das: das alte Recht bestünd
Inn der gülden Bullen gegründ.
Wiewol das grossen zorn erregt
Mich doch mehr recht denn gunst bewegt.
Das hertz gab Gott dem Keisar zart
Mein guter freund zu letzt er ward.
Das ich mein end ym frid beschlos
Vast sehr den Teuffel das verdros.
Erfarn hab ichs vnd zeugen thar
Wie vns die schrifft sagt vnd ist war.markus.bertsch1@web.de
Wer Gott mit ernst vertrawen kan
Der bleibt ein vnverdorben man.
Es zürne Teuffel odder welt
Den sieg er doch zuletzt behelt.

ZUSTAND: Restauriert 1919 und 1947 (nur Mitteltafel).
PROVENIENZ: Slg. Martin Hinrich Cords, Hamburg; Verst. Slg. Cords, Hamburg (Noodt), 9. 1. 1815, Nr. 1 (wohl nicht verkauft); Slg. M. H. Cords, Hamburg 1842;2 1917 mit Mitteln des Oelrich-Legats und des Eduard-Ludewig-Behrens-Testaments aus Hamburger Privatbesitz erworben.

Auf den drei zu einem Triptychon verbundenen Tafeln sind die drei sächsischen Kurfürsten der wittinischen Linie aus der Reformationszeit im Brustbildnis vor einem durchgehenden Landschaftshintergrund dargestellt: Links Friedrich III. der Weise (1463-1525), auf der großen Mitteltafel Johann der Beständige (1486-1532) und rechts der Nachfolger und Auftraggeber des Triptychons, Johann Friedrich der Großmütige (1503-1553).
Kurz nach Antritt der Regierung im August 1532 bestellte Johann Friedrich bei Cranach »LX par teffelein daruff gemalt sein die bede churfursten selige vnd lobliche gedechtnus«, für die der Maler am 10. Mai 1533 entlohnt wurde.3 Die meisten erhaltenen Exemplare dieser sechzig kleinformatigen, etwa 20 x 15 cm messenden Doppeltafeln mit den Bildnissen der Vorgänger Johann Friedrichs, Friedrich dem Weisen und Johann dem Beständigen, tragen unterhalb der Portraits die gleichen Lobverse, die auch unter den Bildnissen der beiden Vorgänger Johann Friedrichs des Großmütigen im Hamburger Triptychon zu lesen sind.4
Inv. 606 gehört zu einer kleinen Gruppe von Triptychen in mittlerem Format, die auf die gleichen Bildtypen wie die kleinen Doppeltafeln zurückgreifen und sie um das Bildnis des seit 1532 regierenden Kurfürsten Johann Friedrich erweitern. Pauli hielt Inv. 606 aufgrund ihrer Qualität für das eigenhändig ausgeführte »Original« Cranachs, das den zahlreichen kleineren Werkstattwiederholungen zum Vorbild diente.5 Tatsächlich dürfte es sich um das qualitativ hochwertigste und als einziges mit einem durchgehenden Landschaftshintergrund versehene Exemplar der kurz nach den sechzig kleinen Tafeln entstandenen Gruppe in mittlerem Format handeln.6 Eine vollständig eigenhändige Ausführung durch Cranach d. Ä. ist schon aufgrund seiner Werkstattpraxis kaum zur Gänze anzunehmen.7
Kurfürst Johann Friedrich trat seine Regentschaft in schwieriger politischer Lage an, da ihn das Festhalten am Bekenntnis zur Reformation gegen den Reichstagsabschied von Augsburg von 1530 in Konflikt mit Kaiser Karl V. brachte. Rabe interpretierte Cranachs Triptychen wie Inv. 606 und die verwandten, im ersten Jahr nach Regierungsantritt Johann Friedrichs entstandenen 60 Doppeltafeln schlüssig als propagandistische Betonung der eigenen Legitimation.8
Die Darstellungen seiner Vorgänger bzw. sein eigenes Portrait in Verbindung mit denen seiner Vorgänger verbildlichen die dynastische Rechtmäßigkeit der Regierung Johann Friedrichs, während die Lobverse das Thema der Reichs- und Kaisertreue mit dem realiter damit kollidierenden reformatorischen Bekenntnis demonstrativ verbinden.
Nur für die 16 Zeilen auf Friedrich den Weisen ist die Autorschaft Luthers gesichert, sie entstanden kurz nach dem Tod des Kurfürsten im Juli 1525 als Inschrift für ein bereits vorhandenes Portrait von Cranach. Für die 36 Zeilen auf Johann den Beständigen wird Luther als Autor nur angenommen. Beide seinerzeit explizit als Epitaphien oder (posthume) Bildbeischriften bezeichneten Lobgedichte bilden den Text auch zu zwei Holzschnitt-Portraits der beiden Kurfürsten aus der Werkstatt Cranachs d. Ä.9 G. W.

1 Vgl. C. Schuchardt, Lucas Cranach des Aeltern Leben und Werke, 3 Bde., Leipzig 1851-1871, Bd. 1, S. 89 f., und D. Martin Luthers Werke. Kritische Gesamtausgabe, hrsg. v. J. K. F. Knaake [u. a.], 61 Bde., Weimar 1883-1983, Bd. 35, S. 587-590.
2 Siehe Ausst.-Kat. Hamburg 1842, S. 8, Nr. 41. Der Besitzer
ist vermutlich ein jüngerer Verwandter des 1814 gestorbenen Martin Hinrich Cords.
3 Staatsarchiv Weimar, Reg. Bb. 4361, Bl. 44a; zit. in: Schuchardt 1851-1871 (wie Anm. 1), Bd. 1, S. 88.
4 Meist nicht bei Friedländer/Rosenberg 1979; die bislang vollständigste Auflistung in Christensen 1992, S. 40, Anm. 10.
5 Vgl. Pauli 1920, S. 35 f.
6 Eine von Peter Klein durchgeführte dendrochronologische Untersuchung der Tafeln ergab 1531 als frühestes Fälldatum (Mitteltafel); bei einer von Klein für andere von Cranach benutzte Holztafeln ermittelten Lagerzeit von mindestens einem bis sieben Jahren ergibt sich durch den materiellen Befund keine präzisere Angabe (siehe Klein 1994, S. 197).
7 Zur Werkstattpraxis Cranachs vgl. W. Schade, Die Malerfamilie Cranach, Dresden 1974, S. 45-47; I. Sandner, I. Ritschel, Arbeitsweise und Maltechnik Lucas Cranachs und seiner Werkstatt, in: Ausst.-Kat. Kronach/Leipzig 1994, S. 186-193.
8 Vgl. H. Rabe in: Ausst.-Kat. Nürnberg 1983, S. 448 f., Nr. 619.
9 Zur Bezeichnung siehe C. G. Brandis, Beiträge aus der Universitätsbibliothek Jena zur Geschichte des Reformationsjahrhunderts, Jena 1917 (Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte, N. F., 8. Beiheft), S. 62-84 (kein Urteil über Autorschaft); die Holzschnitte jeweils 27,5 x 22,0 cm (und abweichende Blockmaße), Hollstein 129, und 27,8 x 25,2 cm, Hollstein
130 B.

Details zu diesem Werk

Ölhaltiges Bindemittel auf Rotbuchenholz Flügel je 68,7 x 32,3 cm (Bild) Mitteltafel 67,5 x 67 cm (Bild) Hamburger Kunsthalle, erworben 1917 Inv. Nr.: HK-606 Sammlung: Alte Meister © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford

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