Félix Vallotton

Aïcha, 1922

Der schweizerisch-französische Maler Félix Vallotton zählt zu den bedeutendsten Vertretern des Symbolismus. Neben seinen Stillleben sind es insbesondere die Porträts, die ihn – in ihrer Verbindung von unterkühlter Erotik und einer nüchternen, die Stofflichkeit der Dinge betonenden Malweise – zugleich zum Wegbereiter der Neuen Sachlichkeit und des Magischen Realismus der 1920er Jahre machen. Das Bildnis der Aïcha Goblet, einer Zirkusartistin und Cabaret-Tänzerin martinikanischer Abstammung, die nach dem Ersten Weltkrieg für viele Künstler der École de Paris posierte, ist hierfür ein prägnantes Beispiel. Das von den Schultern gerutschte Kleid erotisiert die Dargestellte deutlich ; ihr träumerisch abgewandter Blick und die würdevolle, an ein höfisches Porträt erinnernde Pose lassen ein solches Versprechen jedoch ins Leere laufen. In den Blick geraten stattdessen die Sinnlichkeit der Texturen sowie eine Farbkomposition, durch die Vallotton Figur und Umraum konsequent miteinander verschränkt. An die rückwärtige Wand gelehnte Keilrahmen weisen den Raum nicht zufällig als Atelier aus: Die Leinwand ist in erster Linie ein malerisches Experimentierfeld – und das Thema des Porträts in der Moderne ist nicht mehr der Mensch, sondern die Kunst.

Ksenia Weber

Details zu diesem Werk

Öl auf Leinwand 100 x 81,5 cm (Bild) Hamburger Kunsthalle, Dauerleihgabe der Stiftung Hamburger Kunstsammlungen, erworben 2015 Inv. Nr.: HK-5739 Sammlung: Klassische Moderne © SHK/Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford

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