Auguste Herbin
Der Hafen von Bastia, 1907
Auguste Herbin gilt heute als ein Begründer der geometrisch-konstruktiven Kunst, doch wurzelt sein Œuvre im Impressionismus und Postimpressionismus. Für seinen freien Umgang mit Form und Farbe erwies sich das Jahr 1907 als besonders bedeutsam: Im Frühling arbeitete der Nordfranzose auf Korsika, und die Insel mit ihren abwechslungsreichen Landschaften, mit den Küsten, Bergen und Wäldern, sowie das klare mediterrane Licht faszinierten ihn. Er hielt seine Eindrücke in rund 15 Ölbildern fest und widmete sich in mehreren Werken auch dem Hafen von Bastia. In diesem Gemälde steht die kubisch prägnante Häuserzeile mit der Barockkirche Saint-Jean-Baptiste, dem Wahrzeichen der Stadt, im Kontrast zu der luftigen Himmelspartie und dem reflektierenden Wasser. Mit raschen, lockeren Pinselstrichen und leuchtenden Farben fing Herbin die schlängelnde Bewegung der flüssigen Materie ein.
Karin Schick
Details zu diesem Werk
Beschriftung fremd: Rückseite auf Keilrahmen oben links: 5671 [mit schwarzem Stift]; oben rechts: 400 [roter Stift]; rechts davon: 48[?] [roter Stift, Rest der Ziffer von Aufkleber verdeckt]; darüber: HERBIN, Auguste, Maler, geb. 20 April 1882 in Quier[?] / (Nordfrankreich) tätig in Paris. Er malte / Ansichten, Stilleben, Strandbilder aus Belgien und Spanier ["Strand ... Spanier" unterstrichen], u.a.m. / Aus dem Künstlerlexikon Leben und Werke ["Leben und Werke" doppelt unterstrichen] der berümtexten [sic!] bildenden Künstler vorbereitet von Hermann A. Müller und Hans W. Singer.
Claisse 110,
Auguste Herbin (1882 - 1960), 1907 - ? (1); [...] (2); Slg. Henry Bernhard Simms (#### - ####), Hamburg, ? - ? (3); Slg. Oskar Gerson (1886 - 1966), Hamburg, ? - 8.11.1938 (4); Übergabe an die Galerie Commeter und spätere Übereignung der Werke an Anna Siercke, Hamburg, 8.11.1938 - 29.4.1939 (5); Versteigerung bei der Galerie Commeter, Auktion 75, Nr. 68, Hamburg, 29.4.1939 (Zuschlag ?)(6); [...] (7); Auktionshaus Schopmann (in Kommission), Hamburg, 1950/1960er Jahre (8); Ankauf von dort durch Privatsammlung Hamburg, 1950/60er Jahre - 2005 (9); Schenkung von dort an die Familie Gerson, 13.11.2005 (10); Schenkung der Familie Gerson an die Freie und Hansestadt Hamburg /Hamburger Kunsthalle in Andenken an Hans und Oscar Gerson, 14.11.2005 (11)
1) Es ist zu klären, wann, wie, an wen und für wie viel Herbin das Werk verkaufte oder gab.
2) Bislang unbekannte Provenienz/en.
3) #
Nicht in: Henry B. Simms, Meine Bilder und einige Aufzeichnungen, wie meine Sammlung entstand, Hamburg 1910 (siehe: https://digitalisate.sub.uni-hamburg.de/recherche/detail?tx_dlf%5Bid%5D=311516&tx_dlf%5Bpage%5D=1&cHash=4aec9da9c1e105050e54186ce879118b (zuletzt 30.09.2024).
Nicht in: Kunstsalon Paul Cassirer; Hugo Helbing; Simms, Henry B.
Meister des 19. und 20. Jahrhunderts: aus der Sammlung Simms, Hamburg; aus
Berliner und Breslauer Privatbesitz; Versteigerung: 14. November 1930 bei Paul
Cassirer, Berlin 1930 (siehe: https://doi.org/10.11588/diglit.48920#0011 (zuletzt 30.9.2024).
4) Brief von Galerie Commeter an Herrn Herbert Pardo, Anwalt von Oskar Gerson, vom 22.2.1954, Bl. 5. In Wiedergutmachungsakte Oskar Gerson. Eingesehen im Amt für Wiedergutmachung, Hamburg, 29.9.2005. Werke seien der Galerie zum Verkauf übergeben worden. Weitere restliche Werke seien an eine Frau "Anna Siercke" übereignet worden. Ob besagtes Werk dort verkauft worden ist, konnte nicht mehr erinnert werden.
5) Abschrift des Schreibens von Galerie Commeter an Oskar Gerson, 8.11.1938 in: In Wiedergutmachungsakte Oskar Gerson. Eingesehen im Amt für Wiedergutmachung, Hamburg, 29.9.2005. Hierhin heißt es, dass die Galerie mehrere Werke, u.a. dieses Gemälde von Herbin, zum Verkauf erhalten habe. Aus dem Schreiben der Galerie Commeter vom 22.2.1954, ebd., heißt es, dass nach Erhalt der Werke am 8.11.1938 "zwei bis drei" Werke verkauft worden seien und Herr Gerson das Geld erhalten hätte. Kurz vor Gersons Auswanderung sei er in die Galerie gekommen, um sich zu verabschieden. Dabei berichtete er, dass die noch in Hamburg verbliebenen Werke nun an Anna Siercke übereignet worden wären. Auf deren Wunsch seien diese dann in die Auktion gegeben worden.
Als Einlieferer der nachfolgenden Auktion wird die Nummer 33 genannt. Dahinter verbirgt sich eine Person mit dem Kürzel "Srck.", die sicher mit Anna Siercke ident sein wird. Siehe Brief von Commeter an den Anwalt Gersons, Herbert Pardo, vom 22.2.1954, siehe 4).
6) Siehe 5) und Auktionskatalog der Versteigerung von Gemälden und Plastiken alter und neuzeitlicher Meister, Galerie Commeter, Hamburg, Nr. 68 (Titel: Hafen), 29.4.1939 (siehe: https://doi.org/10.11588/diglit.8350 (25.3.2021 und zuletzt 30.09.2024).
Folgende Werke desselben Einlieferers befanden sich ebenfalls in der Versteigerung:
Nr. 19, Unbekannter Künstler (Spätes 17. Jahrhundert), Pieta. Oel auf Holz. H. 29 cm, Br. 92 cm,
Nr. 20, Unbekannter Künstler (um 1800), Christuskind. Oel auf Lwd. H. 28 cm, Br. 22 cm,
Nr. 25, A. Aereboe, Zwei Mädchen am Strand. Oel auf Lwd. H. 70 cm, Br. 95 cm. Bez. „A. Aereboe".
Nr. 132, Franz Nölken, Zwei Mädchen. Oel auf Lwd. H. 100 cm, Br. 75 cm
Nr. 168, Unbekannter Künstler (Anfang 19. Jahrhundert), Christus mit Dornenkrone. Oel auf Lwd. H. 46 cm, Br. 35 cm. — (33
7) Bislang unbekannte Provenienz/en.
8)
9)
10) Schenkungsvertrag vom 13.11.2005.
11) Zur Schenkung erschien eine Pressemittelung der Hamburger Kunsthalle. Siehe auch Geraubt, geschenkt, gestiftet. Kunsthalle. Warum das Museum jetzt ein bedeutendes Gemälde von Auguste Herbin besitzt von Martin Gretzschel in Hamburger Abendblatt, 15.11.2005, S. 8; art, 1/06, S. 111 "Eine Geschichte mit Happy End. Raubkunst: Erben stiften Hamburgs Kunsthalle Herbin-Bild".
Stand: 30.09.2024, Ute Haug.
Status: in Bearbeitung (die mit # markierten Stellen sind noch zu ergänzen), ungeklärt, unbedenklich (von Privat an Privat restituiert).
Zitierweise nachfolgendem Schema: Künstlername, Werktitel, Inv. Nr., Provenienz und Link, sowie Name Bearbeiter*in, letzter Stand und Zugriffsdatum.
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Die Gemälde der Klassischen Moderne, Hurttig, Marcus Andrew, 2010, S. 206-207, Abb., Abb.-Nr.
Private Schätze. Über das Sammeln von Kunst in Hamburg bis 1933, Herausgeber: Ulrich Luckhardt, Uwe M. Schneede; Hamburger Kunsthalle, 2001, Abb. S. S. 164, Abb.-Nr. , Kat.-Nr. 64
Herbin. Catalogue raisonné de l‘œuvre peint, 1993, S. 298, Abb.-Nr. , Kat.-Nr. 110 (mit Abb.)
Versteigerung von Gemälden und Plastiken alter und neuzeitlicher Meister, Galerie Commeter; Hamburg, 1939, Abb.-Nr. , Kat.-Nr. 68
Auguste Herbin; Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf Kunsthalle, Abb.-Nr. , Kat.-Nr. 3 (mit Abb.)
Auguste Herbin; Kestner-Geselschaft, Hannover, 1967, Abb. S. Nr. 2, Abb.-Nr.
Expressionismus in Deutschland und Frankreich. Von Matisse zum Blauen Reiter.Cèzanne, Gauguin, van Gogh, Matisse und die Fauves, Peter Kropmanns; Kunsthaus Zürich, 2014, S. 58-78, Abb., Abb.-Nr.
Kunst aus acht Jahrhunderten, Herausgeber: Hamburger Kunsthalle und Freunde der Kunsthalle e.V., 2016, S. 158, Abb., Abb.-Nr.
IDEA. Jahrbuch der Hamburger Kunsthalle 2005-2007. Im Fokus Kunst um 1800, Herausgeber: Uwe Fleckner, Hubertus Gaßner, 2009, S. 179, 181, Abb., Abb.-Nr.
Inspiration Matisse, Herausgeber: Peter Kropmann und Ulrike Lorenz; Kunsthalle Mannheim, 2019, S. 43, Abb., Abb.-Nr. , Kat.-Nr. 20
Objekt: Auguste Herbin: 1882-1960, Herbin, Auguste , 1882-1960 (KünstlerIn); Böller, Susanne , 1962- (VerfasserIn); Mühling, Matthias , 1968- (HerausgeberIn); Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München (Herausgebendes Organ), S. S. 16, Abb. S. S. 6, Abb.-Nr.