Honoré Daumier

Eine Theaterloge, um 1865

Als passionierter Theaterbesucher und Bewunderer der darstellenden Künste hat sich Daumier in zahllosen Karikaturen, Aquarellen, Zeichnungen und Ölgemälden dem Geschehen auf den Rängen, auf der Bühne und hinter den Kulissen gewidmet. Wie für Honoré de Balzac, der Schlüsselszenen seiner Comédie humaine im Pariser Theatermilieu der Restaurationszeit ansiedelte, war das Theater für Daumier ein Mikrokosmos der französischen Gesellschaft, ein Ort der sozialen Distinktion und der menschlichen Leidenschaften. Die in ihrer verknappten Darstellung meisterhafte Ölskizze, möglicherweise die Vorstudie zu einem nicht ausgeführten Gemälde, nimmt die in Daumiers Karikaturen vorherrschende Kluft zwischen Zuschauerraum und Bühne zurück. Die Profile der in einer geräumigen Loge sitzenden Zuschauermenge, aus der eine von der Seite gesehene elegante, tief dekolletierte Dame hervorsticht, sind verflacht und entindividualisiert. Durch die breite, spontan wirkende Pinselführung verschwimmen die Grenzen zwischen Bühne, Prospekt und Zuschauerraum.

Wolfgang Cortjaens

Details zu diesem Werk

Öl auf Mahagoniholz 26,5 x 35 cm (Bild) Dauerleihgabe der Stiftung Hamburger Kunstsammlungen, erworben 1980 Inv. Nr.: HK-5281 Sammlung: 19. Jahrhundert © SHK / Hamburger Kunsthalle / bpk Photo: Elke Walford

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