Jean Dubuffet

Bartdeklination (Déclinaison de barbe), 1959

Dubuffet erfand 1945 den Begriff der Art brut, einer „rohen“ Kunst, die ihre Quellen außerhalb des Kanons der arrivierten Kunstwelt suchte. Das Gemälde Bartdeklination zeigt in frontaler Ansicht den kahlen Kopf eines Mannes mit einem üppigen Bart, der zwei Drittel des Bilds einnimmt. Sein maskenhaftes Gesicht mit den weit geöffneten Augen blickt die Betrachter direkt an. Das Bild ist Teil einer Werkserie von 1959, in der Dubuffet das Thema des bärtigen Mannes vielfach variierte. Um die vegetative Qualität des Bartwuchses hervorzuheben, experimentierte er mit Abdrücken von botanischen und mineralischen Texturen. Der Bart verkörpert ungebändigte Urtümlichkeit und evoziert magische Kräfte, wie sie den Märchenfiguren eines Blaubarts oder Rübezahls innewohnen. Zugleich stellt er einen Gegenentwurf zum glatten Auftreten des gesellschaftlich erfolgreichen Männertypus der 1950er Jahre dar. In Dubuffets Art brut geht die Ästhetik des Groben mit seinem reichen Wissen um kulturelle Traditionen und Praktiken eine anarchisch-ironische Verbindung ein.

Daniel Koep

Details zu diesem Werk

Öl auf Leinwand 130 x 97 cm (Bild) Hamburger Kunsthalle, erworben 1978 Inv. Nr.: HK-5258 Sammlung: Klassische Moderne © Hamburger Kunsthalle / bpk © VG Bild-Kunst, Bonn Foto: Elke Walford

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