Odilon Redon

Die Barke, um 1900

Redon, ein Zeitgenosse der Impressionisten, fand erst spät in seinem Schaffen zu einer ausgeprägt koloristischen Malweise. Seit 1885 verkehrte er im Kreis um den symbolistischen Dichter Stéphane Mallarmé. Dieser trat für eine Kunst ein, die kraft der Suggestion eine traumartige Wirkung entfaltet. In Die Barke stehen ein Mann und eine Frau Seite an Seite nah am Ufer in einem Ruderboot. Sie sind von einem zartgoldenen Licht erfasst, das von einer Insel ausgeht, die sich im Hintergrund wie ein Hafenbecken öffnet. In deren von einer Lichtaura umgebenen Gebirgsformation zeichnen sich schemenhaft anthropomorphe Formen ab. Zwischen den Zonen des Wassers, des Gesteins und des Himmels fließen die Farben malerisch ineinander. Scharf konturiert hingegen markiert der braune Baumstamm mit den umgebenden gelben Blumen den Bereich des Diesseitigen im Bildvordergrund. Die Barke, ein Motiv, das Redon ab 1900 wiederholt variierte, kündet von Abschied, Übergang und Verheißung, ohne dass eine genaue narrative oder ikonographische Bedeutung festgelegt wäre.

Daniel Koep

Details zu diesem Werk

Beschriftung: Unten rechts signiert: ODILON REDON

Odilon Redon (1840 - 1916), um 1900 - ? (1); [...] (2); Galerie Druet, Paris, 26.5.1923 – 23.7.1923 (3); Slg. Montag, Paris, um 1925 (4); [...] (5); Galerie Robert Schmit, Paris, ? – März 1976 (6); Ankauf von dort durch die Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Kunstsammlungen (heute = Stiftung Hamburger Kunstsammlungen), März 1976 (7); seitdem als Dauerleihgabe an der Hamburger Kunsthalle

1) Es ist zu klären, wann, wie und an wen Redon das Werk weiterverkaufte oder -gab.
2) Bislang unbekannte Provenienz/en.
3) Auskunft von Sophie Pietri, Wildenstein Plattner Institute, am 6.9.2022 per E-Mail an Nadine Bauer. WPI, Stock book Druet, S. 174, Nr. 10052, Eingang 26.5.1923, Ausgang 23.7.1923 (Käufer nicht genannt). Zudem Exposition Odilon Redon entre rêve et mystère, Ausst.-Kat. Musée d'Art Moderne, Gunma u. a. 2001, S. 140.
4) Der Verweis auf die Sammlung Montag, Paris, findet sich als handschriftliche Anmerkung im Inventarbuch der Gemälde der Hamburger Kunsthalle beim Eintrag zu Odilon Redons Werk „Die Barke“. Im Werkverzeichnis aus dem Jahr 1992 taucht die Sammlung Montag nicht auf. Hier könnte es sich um die Sammlung des Schweizer Malers und Kunstvermittlers Carl (auch: Charles) Montag (Winterthur 23.3.1880 - 28.7.1956 Meudon) handeln, der ab 1903 hauptsächlich in Frankreich lebte und später auch die französische Staatsbürgerschaft annahm. Seine Aktivitäten während des Zweiten Weltkriegs sind kritisch zu sehen: "Montag, Charles. Sevres Meudon Val Fleury, 72 rue de Paris. Swiss; naturalised French. Artist and dealer. Strongly implicated in German activity in Paris. Associate of Dequoy. Close contact of Wuester and Wendland. Involved in the ‘aryanisation‘ of the Bernheim Jeune and Wildenstein firms, and believed to have been in frequent contact with Buehrle and a number of Swiss dealers. Instrumental in the sale of several looted pictures to Swiss clients. Former drawing master of Winston Churchill and has professed strong Allied sentiments." (aus: https://www.lootedart.com/MVI3RM469661 (5.5.2020, Ute Haug), aus: Art Looting Intelligence Unit (ALIU) Reports 1945-1946 and ALIU Red Flag Names List and Index (zitiert nach: https://www.lootedart.com/MVI3RM469661, 5.5.2020, Ute Haug). Siehe auch: Joachim Sieber (24/11/2021), MONTAG Charles/Carl (DE) in Répertoire des acteurs du marché de l'art en France sous l'Occupation, 1940-1945, RAMA (FR) - INHA, http://agorha.inha.fr/detail/136 (6.2.2024, Nadine Bauer)
Schriftlicher Nachlass Charles Montag im Schweiz. Institut für Kunstwissenschaft (SIK-ISEA): https://www.sik-isea.ch/it-ch/Archivio-darte-Biblioteca/Archivio-darte/Fondi-archivistici/Vetrina-virtuale/Details/content/2569/nachlass-charles-montag (5.2.2024, Nadine Bauer)
5) Bislang unbekannte Provenienz/en.
6) Alec Wildenstein, Agnès Lacau St. Guily, Marie-Christine Decroocq: Odilon Redon: catalogue raisonné de l'oeuvre peint et dessiné. v. 3: Fleurs et paysages, Wildenstein Institute, Paris 1996, Nr. 1947. Siehe Unterlagen der Stiftung Hamburger Kunstsammlungen, Ordner „1976 Deutsche B. Dresdner B. Commerzbk. Landesbank“, Rechnung Galerie Schmit, Paris, vom 19.3.1976.
7) Siehe Inventar der Gemälde, S. 34. Die Ankaufssumme belief sich auf 206.068,59 DM.

Kein Befund in:
Digitale Auktionskataloge (Jasper Warzecha)
www.lostart.de (5.5.2020, Ute Haug)

Stand: Stand: 5.5., 15.5.2020, Ute Haug, Jasper Warzecha. 27.02.2024 Nadine Bauer und Ute Haug
Status: ungeklärt, bedenklich.

Die Provenienz dieses Werkes konnte im Rahmen des gemeinsam von der Stiftung Hamburger Kunstsammlungen, Hamburger Kunsthalle und dem Deutschen Zentrum Kulturgutverluste, Magdeburg, finanzierten Projektes "Erforschung der Werkprovenienzen der Kunstwerke mit ungeklärter bzw. bedenklicher Herkunft im Eigentum der Stiftung Hamburger Kunstsammlungen, die sich als Dauerleihgabe in der Hamburger Kunsthalle befinden." (siehe: https://www.hamburger-kunsthalle.de/forschungsprojekt-werkprovenienzen-zu-dauerleihgaben-im-eigentum-der-stiftung-hamburger) erforscht werden.

Zitierweise nach folgendem Schema: Künstlername, Werktitel, Inv. Nr., Provenienz und Link, sowie Name Bearbeiter*in, letzter Stand und Zugriffsdatum.
Cite according to the following scheme: artist's name, title of work, inv. no., provenance and link, name of editor, last status, as well as date of access.

Haben Sie Fragen, Kritik, Anregungen, weiterführende Informationen? Bitte richten Sie eine Nachricht an Dr. Ute Haug unter ute.haug[at]hamburger-kunsthalle.de.
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Hamburger Kunsthalle, Herausgeber: Werner Hofmann, 1989, S. 118, Abb. S. 241, Abb.-Nr. , Kat.-Nr. 241

Hamburger Kunsthalle, Herausgeber: Helmut R. Leppien, 1994, S. 86, Abb. S. 144, Abb.-Nr. , Kat.-Nr. 144

Hamburger Erfahrungen 1969-1990, Werner Hofmann; Herausgeber: Freunde der Kunsthalle e.V., 1990, Abb. S. 49, Abb.-Nr. , Kat.-Nr. 49

Hamburger Kunsthalle. Erwerbungen für die Gemäldegalerie im Jahre 1976, Helmut R. Leppien, 1977, S. 188-189, Abb. S. 189, Abb.-Nr.

Die Gemälde des 19. Jahrhunderts in der Hamburger Kunsthalle, Herausgeber: bearb. von Jenns E. Howoldt u. Andreas Baur, 1993, S. 163, Abb. S. 163, Abb.-Nr.

Exposition Odilon Redon entre rêve et mystère; Musée d'Art Moderne, Gunma u. a., 2001, S. 46, Abb. S. 29, Abb.-Nr. , Kat.-Nr. 29

Art Nouveau. Symbolismus und Jugendstil in Frankreich, Herausgeber: Renate Ulmer; Institut Mathildenhöhe, Darmstadt; Bröhan-Museum, Berlin, 1999, S. 33, Abb. S. 8, Abb.-Nr. , Kat.-Nr. 8

Exposition d'Œuvres de Odilon Redon (1840-1916). Peintures, Pastels, Aquarelles, Dessins Lithographies, Eaux-Fortes - Arts Décoratifs; Galerie E. Druet, Paris/ 11.-30.6.1923, 1923, Abb.-Nr. , Kat.-Nr. 60

Inbillning och dröm. Fransk symbolism 1886-1908; Nationalmuseum, Stockholm; Nationalgalerie, Oslo; Ateneum, Helsingfors, 1994, S. 67, Abb. S. 67, Abb.-Nr. , Kat.-Nr. 26

Odilon Redon. Catalogue raisonné de l'œuvre peint et dessiné, Alec Wildenstein; Herausgeber: Wildenstein Institute, 1992, S. 348, Abb. S. 348, Abb.-Nr. , Kat.-Nr. 1947

Kunst für Hamburg. Von laut bis leise. 50 Jahre Stiftung für die Hamburger Kunstsammlungen; Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg und Hamburger Kunsthalle, S. 156, 278, Abb. S. 157, Abb.-Nr. , Kat.-Nr. o. Nr.

Wie im Traum. Odilon Redon, Herausgeber: Margret Stuffmann, Max Hollein; Schirn Kunsthalle, Frankfurt, 2007, S. 320, Abb. S. 250, Abb.-Nr. , Kat.-Nr. 157

Odilon Redon, Raphaël Bouvier; Fondation Beyeler Riehen Basel, 2014, S. 108-118, Abb., Abb.-Nr.

Jugendstil. Die große Utopie, Nora von Achenbach, Claudia Banz, Leonie Beiersdorf, Jürgen Döring, Thomas Gilbhard, Simon Klinger, Angelika Riley, Esther Ruelfs, Sabine Schulze u.a.; Herausgeber: Sabine Schulze, Claudia Banz, Leonie Beiersdorf; Museum für Kunst und Gewerbe, 2015, S. 44, Abb., Abb.-Nr.

Kunst aus acht Jahrhunderten, Herausgeber: Hamburger Kunsthalle und Freunde der Kunsthalle e.V., 2016, S. 143, Abb., Abb.-Nr.

Jahrbuch der Hamburger Kunstsammlungen, Hanna Hohl und Wolfgang Eckhardt; Herausgeber: Hamburger Kunsthalle und Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, 1977, S. 188-189, Abb., Abb.-Nr.

Glanzstücke. Meisterwerke der Hamburger Kunsthalle, A. Koep, A.Heinze, A. Stolzenburg, B. Kölle, Ch. Heinrich, D. Klemm, D. Lott-Reschke, F. Britsch, J. Grave, J. Howoldt, J. Hoffmann-Samland, K. Schick; Herausgeber: Ekkehard Nümman für die Freunde der Kunsthalle e.V., 2018, S. 90-91, Abb., Abb.-Nr.

150 Jahre Hamburger Kunsthalle. Die Ankäufe der Stiftung Hamburger Kunstsammlungen, Herausgeber: Stiftung Hamburger Kunstsammlungen, 2019, S. 104-105, Abb., Abb.-Nr.

Öl auf Leinwand 65cm x 50.5cm (Bild) 84cm x 69cm (Rahmen) Dauerleihgabe der Stiftung Hamburger Kunstsammlungen, erworben 1976 Inv. Nr.: HK-5237 Sammlung: 19. Jahrhundert SHK / Hamburger Kunsthalle / bpk Photo: Elke Walford

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