Odilon Redon

Die Barke, um 1900

Redon, ein Zeitgenosse der Impressionisten, fand erst spät in seinem Schaffen zu einer ausgeprägt koloristischen Malweise. Seit 1885 verkehrte er im Kreis um den symbolistischen Dichter Stéphane Mallarmé. Dieser trat für eine Kunst ein, die kraft der Suggestion eine traumartige Wirkung entfaltet. In Die Barke stehen ein Mann und eine Frau Seite an Seite nah am Ufer in einem Ruderboot. Sie sind von einem zartgoldenen Licht erfasst, das von einer Insel ausgeht, die sich im Hintergrund wie ein Hafenbecken öffnet. In deren von einer Lichtaura umgebenen Gebirgsformation zeichnen sich schemenhaft anthropomorphe Formen ab. Zwischen den Zonen des Wassers, des Gesteins und des Himmels fließen die Farben malerisch ineinander. Scharf konturiert hingegen markiert der braune Baumstamm mit den umgebenden gelben Blumen den Bereich des Diesseitigen im Bildvordergrund. Die Barke, ein Motiv, das Redon ab 1900 wiederholt variierte, kündet von Abschied, Übergang und Verheißung, ohne dass eine genaue narrative oder ikonographische Bedeutung festgelegt wäre.

Daniel Koep

Details zu diesem Werk

Öl auf Leinwand 65 x 50,5 cm (Bild) Dauerleihgabe der Stiftung Hamburger Kunstsammlungen, erworben 1976 Inv. Nr.: HK-5237 Sammlung: 19. Jahrhundert © SHK / Hamburger Kunsthalle / bpk Photo: Elke Walford

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