Lovis Corinth

Flora, 1923

Der Maler Lovis Corinth liebte das Theater, die Verkleidung, den Auftritt und stellte sich und die Mitglieder seiner Familie immer wieder in verschiedenen Rollen dar. Seine 14-jährige Tochter Wilhelmine zeigt er in diesem Bild als Flora, als römische Göttin der Blüte und der Fruchtbarkeit. In bewegtem Duktus der Pinselschrift gehen Figur und Raum ineinander über, alles scheint sich in einem wirbelnden Tanz der Lebensfreude aufzulösen – bis hin zu den leuchtend gelben und roten Blumen in Floras Händen und ihrem Kopfschmuck. Allein das sanft lächelnde, von einem warmen Licht beschienene Gesicht der Dargestellten hebt sich in der glatteren Malweise von der pastosen, in Braun-, Grau- und Rosatönen gehaltenen Umgebung aus Tupfen und Strichen ab. Corinth könnte von Tizians Gemälde »Mädchen mit Fruchtschale« oder von Rembrandts Porträt seiner Frau Saskia als Flora angeregt worden sein. In seiner Komposition führt er die bekannten Motive von knospender Jugend und duftender Blütenpracht jedoch in einer neuen, dynamisch-modernen Weise zusammen und lässt seine Tochter den gesamten Bildraum mit ihrer Präsenz füllen.

Inga Dreesen

Details zu diesem Werk

Öl auf Sperrholz 130 x 109 cm (Bild) Hamburger Kunsthalle, Dauerleihgabe der Stiftung Hamburger Kunstsammlungen, erworben 1974 Inv. Nr.: HK-5213 Sammlung: Klassische Moderne © SHK / Hamburger Kunsthalle / bpk Photo: Elke Walford

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