Christian Schad

Bildnis Egon Erwin Kisch, 1928

Der für seine demaskierenden Porträts bekannte Schad stellte auch den als „rasender Reporter“ bekannten Berliner Publizisten Egon Erwin Kisch dar. Das Porträt entstand zwar in der Wohnung von Kisch, doch platzierte Schad ihn in die Stahlträgerkonstruktion des Berliner Funkhauses und verwies somit auf seinen Beruf. Anlass für das Bild waren nach Aussage des Künstlers Kischs Tätowierungen. Einige von diesen gab Schad, der als meisterhafter Darsteller der menschlichen Haut gilt, exakt wieder. In einem Essay von 1925 berichtete Kisch ausführlich über den farbigen Varieté-Artisten auf seinem rechten Oberarm und den von einem Messer durchbohrten Kopf eines chinesischen Mandarin auf dem linken Arm, der ihm in dem Vorlagenbuch eines Tätowierers in Triest besonders gut gefallen hatte. Mit der für die Neue Sachlichkeit charakteristischen distanzierten Haltung bei gleichzeitiger Genauigkeit schuf Schad hier einen Männlichkeitsentwurf, der mit der Ambivalenz zwischen der äußeren Gestalt eines Arbeiters und der inneren Haltung des Intellektuellen spielt.

Anna Heinze

Details zu diesem Werk

Öl auf Leinwand 90,5 x 61,5 cm (Bild) Hamburger Kunsthalle, erworben 1971 Inv. Nr.: HK-5165 Sammlung: Klassische Moderne © Hamburger Kunsthalle / bpk © VG Bild-Kunst, Bonn Foto: Elke Walford

Weitere Werke von
Christian Schad