Juan Gris

Stillleben mit weißer Wolke (Le nuage blanc), 1921

Das Gemälde entstand in Bandol, einem Urlaubsort an der Côte d’Azur. Das weit geöffnete Fenster scheint den Blick auf einen sommerlichen Himmel frei zu geben. Das Motiv suggeriert illusionistische Tiefe, doch durch die malerische Gestaltung wird diese wieder zurückgenommen und stattdessen der Flächencharakter des Bildes betont. Auch der Tisch und die Gegenstände auf ihm erscheinen nur für einen Moment räumlich-perspektivisch erfasst, bevor sich ihr Arrangement als eine kubistische Collage aus Flächen und Linien erweist. Ein spannungsvoller Dialog zwischen Figur und Grund entwickelt sich. Gris führt die Umsetzung der sichtbaren Welt in die zweidimensionale Realität des Kunstwerks vor Augen. Symbolisch stehen das Journal für die gelebte Gegenwart und die Musikinstrumente für das künstlerische Spiel mit der Abstraktion. Bedeutsam sind auch die vielen Korrespondenzen von Farben und Formen, denn das Ziel ist die Einheit des Kunstwerks als ein Äquivalent zur Natur.

Dagmar Lott-Reschke

Details zu diesem Werk

Öl auf Leinwand 65,5 x 99,6 cm (Bild) Hamburger Kunsthalle, Dauerleihgabe der Stiftung Hamburger Kunstsammlungen, erworben 1958 Inv. Nr.: HK-5020 Sammlung: Klassische Moderne © SHK / Hamburger Kunsthalle / bpk Photo: Elke Walford

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