Francisco José de Goya y Lucientes

Don Tomás Pérez Estala, um 1795

Goyas Kunst steht in direktem Bezug zu den vom Sturm auf die Bastille ausgelösten Umwälzungen, Unterdrückungs- und Befreiungskriegen, und sie deutet diese Krise von Individuum und Gesellschaft mit einer Formensprache, deren Radikalität nicht ihresgleichen hat. Der Dargestellte ist durch den Namenszug auf der Schriftrolle identifiziert, die er in der Linken hält: „D- Thomas Perez/Estala/P. Goya“. Er gilt als ein mit dem Maler befreundeter Tuchfabrikant aus Segovia. Zwei Merkmale bestimmen den ersten Gesamteindruck: die abgewinkelten Arme und die Lehne des Sofas, die das Bild horizontal genau in zwei Hälften teilt. Die Sofakurve bereitet auf die massige Wölbung des Oberkörpers vor und findet ihr Echo im Mund, den Augenbrauen und der Schädelwölbung. Der Kopf meidet die Mittelachse, wie auch die Gesichtszüge asymmetrisch verlaufen. Der Akkord aus Blau und Gelb gibt der derben Sinnlichkeit des Mannes eine kühle Fassung. So könnte ein zu Geld und Ansehen gelangter Emporkömmling ausgesehen haben, der sich als Herrscher fühlte.

Werner Hofmann (gekürzt von Daniel Koep)

Details zu diesem Werk

Öl auf Leinwand 102cm x 79cm (Bild) Hamburger Kunsthalle, erworben aus der Sammlung Eduard F. Weber, 1912 Inv. Nr.: HK-338 Sammlung: Alte Meister © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford

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