Paul Klee

Der Goldfisch, 1925

Geheimnisvoll leuchtend, wie von innerer Glut erfüllt, erstrahlt der große goldgelbe Fisch vor blauschwarzem Grund. Kleinere Fische weichen ehrfürchtig vor seiner majestätischen Aura zurück – als wohnten sie einer Epiphanie, der Erscheinung des Göttlichen, bei. Das Gemälde von Paul Klee lässt sich jedoch nicht nur als Bild der göttlichen, sondern auch als Metapher der künstlerischen Schöpfung verstehen. Aus dem Dunkel tauchen zunächst einfachste grafische Kürzel auf, Wellen- und Zickzacklinien, die in dem Maße Gestalt gewinnen, wie sie ans Licht treten – aus dem einfachsten Mittel, der Linie, entsteht vor unseren Augen ein ganzer bildnerischer Kosmos. In mehrfacher Hinsicht schuf Klee so eine gemalte Ursprungsvision. Dabei verdankt sich sein märchenhaftes submarines Zwischenreich einer ganz realen Inspirationsquelle: der Faszination für das Aquarium, jenes »Meer im Glas« als Miniaturausgabe des ozeanischen Reiches, einer Brutstätte des Schöpferischen. Schon auf seiner Italienreise 1902 hatte der Künstler das berühmte Aquarium von Neapel bewundert, und als er im Frühjahr 1925 am Gemälde »Der Goldfisch« arbeitete, stand in seinem Atelier in Dessau ein großes Aquarium.

Florian Britsch

Details zu diesem Werk

Öl und Aquarell auf Papier, aufgezogen auf Karton 49,6 x 69,2 cm (Bild) Hamburger Kunsthalle, erworben 1955 Inv. Nr.: HK-2982 Sammlung: Klassische Moderne © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford

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