Ernst Ludwig Kirchner

Maler und Modell, 1910 (überarbeitet 1926)

Für die Mitglieder der Dresdner Künstlergemeinschaft „Brücke“ war das weibliche Modell eines der Hauptmotive ihrer Kunst. Im Widerstand gegen akademische Traditionen zeichneten und malten sie nackte Körper in freier Natur und vor allem in ihren Wohnateliers; diese waren kreative Schutzräume und symbolisierten zugleich die angestrebte Einheit von Leben und Arbeit in der modernen Gestaltung. Kirchners Selbstbildnis verweist auf diese Idee, scheint der Maler doch gerade vom Bett aufgestanden zu sein, sich rasch einen Mantel übergeworfen sowie Pinsel und Farbe gegriffen zu haben – seine Partnerin bleibt leicht bekleidet sitzen und posiert für ihn. Nicht sie ist im Zentrum, sondern der stattlich aufragende, in leuchtenden Farben gekleidete Maler, der sich dem nicht sichtbaren Werk zuwendet. Bei Kirchners Umzug von Berlin nach Davos wurde Maler und Modell wie viele andere Gemälde beschädigt und von ihm in neuer Malweise überarbeitet: Er verdichtete die ehemals dynamische, offene Malerei und schloss sie zu prägnanten Farbfeldern.

Karin Schick

Details zu diesem Werk

Öl auf Leinwand 150,4 x 100 cm (Bild) Hamburger Kunsthalle, Geschenk von Ernesto Blohm, Caracas/Venezuela, in Erinnerung an seine Mutter Magdalene Blohm, 1952 Inv. Nr.: HK-2940 Sammlung: Klassische Moderne © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford

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