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Rachel Ruysch

Blumenstillleben, 1691

Ruysch war eine der wenigen Frauen, die im 17. und 18. Jahrhundert in den Niederlanden als Malerinnen wirkten. Die Tochter eines Anatomen und Botanikers hatte in der Werkstatt von Willem van Aelst in Delft gelernt und war seit 1708 Hofmalerin von Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz. In dem Stillleben können sämtliche Blüten botanisch bestimmt werden: Rosen, Tulpen, Enzian, Nelken, eine Schwertlilie und verschiedene weitere Blumen bilden einen üppigen Strauß in einer Vase, die auf einer Steinbrüstung steht. Selbstbewusst hat die Malerin hier ihre Signatur eingeschrieben. Auch eine Libelle, eine Fliege und zwei Schmetterlinge sind zu erkennen. Dem an die Kunst gerichteten Anspruch, exaktes Abbild der Natur zu sein, wird Ruyschs Stillleben meisterhaft gerecht. Um eine möglichst perfekte Illusion zu erzeugen, drückte die Künstlerin natürliche Schmetterlingsflügel auf die Malschicht und entfernte sie wieder. Die in voller Blüte stehenden Pflanzen verweisen aber auch auf ihr Verblühen und somit auf die Vergänglichkeit.

Anna Heinze
Ein Strauß aus Rosen, Nelken, Tulpen, Geißblatt, Tagetes, Enzian, Ehrenpreis, Storchschnabel, Orangen- und Mandelblüten, einer Schwertlilie (rechts verschattet) und anderen Blumen steht in einer bauchigen Vase. Überhängende Blätter und Gräser reichen bis auf die Steinplatte herab, die rechts leicht zurückspringt. Eine Libelle, eine Fliege und zwei Schmetterlinge (Admiral und Kohlweißling) beleben das Bild.
Für die Darstellung der Schmetterlinge verwendete Ruysch natürliche Flügel, die sie auf den besonders präparierten Malgrund aufdrückte und wieder entfernte. Durch dieses Verfahren, das auch Marseus van Schrieck anwendete (s. Inv. 97), wurde die Struktur der Schmetterlingsflügel getreu wiedergegeben. Ruyschs besonderes Interesse an der präzisen Darstellung von Insekten und Blumen steht in engem Zusammenhang mit der Arbeit ihres Vaters als Botaniker.4
Datierte Stilleben sind aus den Jahren 1681 bis 1747 bekannt. Charakteristisch für ihre kleinformatigen Blumenbilder aus der Zeit vor 1700 ist das dichte Gesteck mit überhängenden Blättern und Gräsern, welche die Vasen zum großen Teil verdecken. Mehrfach ist das Entstehungsjahr in römischen Ziffern angegeben.5 Inv. 28 wurde, wie andere Blumenstilleben auch, nach-träglich auf Holz übertragen, vielleicht noch in der Werkstatt der Künstlerin.6 In der Slg. Wesselhoeft diente das Gemälde als Gegenstück zu einem Blumenstilleben von Jan Weenix (Inv. 181).

Thomas Ketelsen 2001

1 Vgl. S. Segal, Flowers and Nature. Netherlandish Flower Painting of four Centuries, Ausst. Kat. Nabio Museum of Art, Osaka u. a. 1990, S. 235.
2 Laut Katalog der Slg. Hudtwalcker 1861, S. 165.
3 Im Katalog der Slg. Hudtwalcker 1854, S. 81, wird ein anderes Gemälde von Rachel Ruysch verzeichnet.
4 Vgl. J. Sip, Notities bij het stilleven van Rachel Ruysch, in: Nederlands Kunsthistorisch Jaarboek 19, 1968, S. 157-170.
5 Vgl. etwa Lw., 57 x 43,5 cm, National Gallery, London,
Inv. 6425; Katalog London 1991, Bd. 1, S. 399, mit derselben Vase. - Lw., 44,5 x 34,5 cm, Verst. London (Sotheby's),
9. 12. 1987, Nr. 96.
6 Vgl. das um 1700 entstandene Stilleben im Kunsthandel, Verst. London (Sotheby's), 8. 7. 1999, Nr. 30, mit Hinweis auf weitere Beispiele.

Lit.: Katalog Slg. Hudtwalcker 1861, S. 165; Bode 1886, S. 61; Leithäuser 1889, S. 88 f.; Katalog 1918, S. 139; Katalog 1921, S. 144; Hofstede de Groot, Bd. 10, 1928, S. 313, Nr. 24; Katalog 1930, S. 135; Katalog 1956, S. 130; M. H. Grant, Rachel Ruysch, Leigh-on-Sea 1956, S. 41, Nr. 177; Katalog 1966, S. 136; Gemar-Koeltzsch 1995, Bd. 3, S. 852, Nr. 340/10, Abb.; Marianne Berardi, Science into Art: Rachel Ruysch's early Development as a Still-Life Painter (Phil. Diss. University of Pittsburgh), Ann Arbor 1998, S. 352, 359, 479, Abb. 50.

Details zu diesem Werk

Öl auf Leinwand auf Eichenholz 44,5 x 34,3 cm (Bild) Hamburger Kunsthalle, erworben aus der Sammlung Hudtwalcker-Wesselhoeft, 1888. Der Rahmen wurde finanziert mit Mitteln der Kunst- und Literaturstiftung Petra und K.-H. Zillmer Inv. Nr.: HK-28 Sammlung: Alte Meister © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford

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