Victor Emil Janssen

Selbstbildnis vor der Staffelei, um 1828

Während seiner Münchner Studienzeit porträtierte sich der an Schwindsucht leidende Maler in seiner kargen, zugleich als Atelier dienenden Schlafstube und schuf damit eine Ikone des romantischen Künstlerselbstbildnisses. Das Arrangement aus blauen Schnittblumen verweist programmatisch auf die seit Novalis’ Heinrich von Ofterdingen (1802) als Symbol der Romantik geltende Blaue Blume. Die Modernität des ehemals Janssens Malerfreund Friedrich Wasmann zugeschriebenen Bildes liegt in seinem schonungslosen Verismus, der mit altmeisterlichen Anklängen gepaart ist. Unterschwellig klingt die Ikonographie des Christus als Schmerzensmann an. Jüngeren Interpretationen zufolge steht jedoch weniger die Krankheit als der vitale Schaffensprozess des Künstlers im Vordergrund des Bildes. Hierauf deuten der den Betrachter ins Auge fassende, prüfende Blick, die trotz des gekrümmten Rückens selbstbewusste Körperhaltung und der Malkasten im Vordergrund.

Wolfgang Cortjaens

Details zu diesem Werk

Öl auf Papier auf Leinwand 56,6 x 32,7 cm (Bild) Hamburger Kunsthalle, erworben 1928 Inv. Nr.: HK-2488 Sammlung: 19. Jahrhundert © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford

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