Dante Gabriel Rossetti

Helena von Troja, 1863

Nachdem Rossetti, Mitbegründer und intellektueller Kopf der Präraffaeliten, sich einige Jahre als Buchillustrator, Dichter und Übersetzer klassischer italienischer Lyrik betätigt hatte, kehrte er 1859 zur Ölmalerei zurück. Eine Reihe weiblicher Porträts mit allegorisch-literarischen Bezügen entstand. Seine Geliebte Annie Miller, die zuvor von ihrem „Entdecker“ William Holman Hunt als Inbegriff des präraffaelitischen Frauentyps lanciert worden war, stand Modell für Helena von Troja. Der Untergang Trojas war damals ein beliebtes Thema in der englischen Literatur, etwa bei Alfred Tennyson. Rossetti formte den Stoff zu einer Allegorie auf die zerstörerische Kraft der Liebe. Aus der leidenschaftlichen Beziehung zu Miller resultiert die gängige autobiographische Lesart des Bildes; nicht zufällig paraphrasiert des Künstlers eigenhändige Bezeichnung auf der Rückseite die Verse 689–690 aus dem Agamemnon des Aischylos („Helena von Troja […], die dem Schiff, dem Manne, der Stadt ward zum Elend“). Für die brennende Stadtsilhouette am oberen Bildrand nahm der Maler stereoskopische Bilder als Vorlage. Der Rahmen wurde nach Rossettis eigenem Entwurf gestaltet.

Wolfgang Cortjaens

Details zu diesem Werk

Öl auf Mahagoniholz 32,8 x 27,7 cm (Bild) Hamburger Kunsthalle. Vermächtnis Erdwin und Antonie Amsinck, 1921 Inv. Nr.: HK-2469 Sammlung: 19. Jahrhundert © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford

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