Karel Du Jardin

Vor dem Wirtshaus, 1658

Ein Reiter legt auf einem sonnenbeschienen Platz, der von einer südlich-anmutenden Architektur umgrenzt ist, bei einer Schenke eine kurze Rast ein und lässt sich von dem Wirt mit Schürze ein Getränk reichen. In der offenen Tür des Lokals steht eine Frau mit einer Kerze in der Hand. Die Komposition wirkt zunächst nicht ungewöhnlich und reiht sich in die kleinformatigen Bilder mit Szenen aus dem Volksleben ein, die Du Jardin zahlreich ausführte. Doch beinhaltet sie markante Details: Sowohl der Mann, der links an der Mauer steht, als auch das Pferd und der Hund rechts erleichtern sich gerade. Das Motiv ist auf eine Momentaufnahme beschränkt, ohne einen lokalisierbaren Ortsbezug anzugeben. Du Jardin malte es wohl während seiner Zeit in Den Haag. Die Kombination aus südlicher Architektur und Genreszene legt nahe, dass er, der sich Ende der 1640er Jahre und noch einmal um 1675 in Italien aufhielt, von der Malerei der sog. Bamboccianti (Lumpenmaler) dazu angeregt wurde. Angeführt von Du Jardins Landsmann Pieter van Laer, etablierte die Gruppe in Rom Genremotive aus dem Leben von Handwerkern, Bauern, Musikanten oder Mittellosen, die zu den unteren Gesellschaftsschichten gehörten, und die in die italienische Landschaft integriert wurden. Auf diese Weise transferierte Laer Motive aus dem Kulturkreis nördlich der Alpen in den Süden und setzte der stark sakral ausgerichteten italienischen Barockmalerei eine genrehafte Variante entgegen.

Josephine Karg

Details zu diesem Werk

Öl auf Eichenholz 36,8 x 30 cm (Bild) Hamburger Kunsthalle, erworben aus der Sammlung Hudtwalcker-Wesselhoeft, 1888 Inv. Nr.: HK-180 Sammlung: Alte Meister © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford

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