Roelant Savery

Wildschweinjagd, 1611

Der Eber ist gestellt, fünf Hunde haben sich in ihn verbissen. Ein Jäger tritt ihm entgegen und setzt mit einer Saufeder zum tödlichen Stoß an, von einem zweiten sind nur Kopf und Bein sichtbar. Die in Nahsicht gegebene Szene findet auf einer von Laub überwölbten Lichtung statt.
Von der Komposition sind drei weitere Fassungen bekannt. Die Wildschweinjagd in Saarbrücken von 16182 stimmt im Format mit Inv. 16 (Anm. 2) nahezu überein. Auf dem wesentlich größeren Gemälde in Den Haag (Anm. 3) ist die Szene um eine Hirschjagd im Hintergrund ergänzt. Der Aufbewahrungsort der dritten Fassung ist unbekannt.(Anm. 4) Ein ebenfalls eigenhändiges Gemälde von 1620 gibt die Jagdszene seitenverkehrt und als Teil einer größeren Felslandschaft wieder.(Anm. 5)
Saverys früheste Darstellung einer Wildschweinjagd stammt von 1609. Auf dem Gemälde in München hat ein Jäger den Spieß erhoben, während der zweite, von rechts aus dem Dikkicht kommend, seinen Spieß bereits in den Leib des Wildschweines gerammt hat. Auch von dieser Komposition existieren mehrere eigenhändige Fassungen.(Anm. 6) Darstellungen von Wildschweinjagden waren in der Druckgraphik seit dem 16. Jahrhundert weit verbreitet. Eine Radierung Augustin Hirschvogels von 1545 zeigt eine ähnliche Jagd mit Jäger (Hollstein 10); solche Blätter
mögen Savery als Vorlagen gedient haben. Eine Interpretation des Motivs der Jagd gibt die Gedichtzeile auf einem Stich von Hendrick Hondius aus dem Jahr 1600 (Hollstein 51): »Die Welt wird dem Wald nicht für unähnlich gehalten, Betrachter: Wer im Wald ist, ist in der Welt, entweder man fängt oder man wird gefangen.«(Anm. 7)

Thomas Ketelsen 2001

1 Zuletzt M. J. Bok, Roelandt Saverij, in: Masters of Light. Dutch Painters in Utrecht during the Golden Age, bearb. v.
J. A. Spicer, Ausst. Kat. Fine Arts Museums, San Francisco u. a. 1997/98, S. 389 f.; zur Schreibweise des Namens (Savery oder Saverij) ebd., S. 336.
2 Holz, 37,5 x 50 cm, Saarland-Museum, Saarbrücken, Inv. NI 1266; Roelant Savery in seiner Zeit (1576-1639), bearb. v.
E. Mai, Wallraf-Richartz-Museum, Köln, Centraal Museum, Utrecht 1985, S. 95 f., Nr. 22, S. 96, Abb.
3 Lw., 47 x 73,5 cm, Museum Bredius, Den Haag, Inv. 100-1946; Catalogus van de schilderijen en tekeningen, bearb. v.
A. Blankert, Zwolle/Den Haag 1991, S. 199 f.; Roelant Savery 1985 (wie Anm. 2), S. 105, Nr. 23. Müllenmeister rückte es in unmittelbare Nähe zu Inv. 162, Mai dagegen nimmt eine Entstehung nach dem Saarbrückener Bild von 1618 an.
4 Eichenholz, 38 x 96 cm; Müllenmeister 1988, S. 240,
Nr. 97A.
5 Eichenholz, 61 x 82 cm, Rijksmuseum, Amsterdam, Inv. C447; Katalog Amsterdam 1976, S. 500; Müllenmeister 1988,
S. 231, Nr. 78. Eine weitere Eberjagd, 118 x 154 cm, vermutlich nicht eigenhändig, befindet sich in einer Privatsammlung in Cognac (Charente), Foto RKD.
6 Mahagoni, 24,7 x 35,2 cm, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Alte Pinakothek, München, Inv. 271; Katalog München 1986, S. 487; Müllenmeister 1988, S. 236, Nr. 89. Weitere Fassungen befinden sich in Dresden, Prag, Dessau, Hartford und St. Petersburg, vgl. Müllenmeister 1988, S. 236, Nr. 90 (seit 1945 verschollen), S. 239, Nr. 93, S. 240, Nr. 97, S. 239, Nr. 96, S. 239, Nr. 94.
7 Vgl. S. Bartilla, Die Welt des Waldes, in: Ausst. Kat. Böhmen liegt am Meer 1999, S. 42.

Details zu diesem Werk

Öl auf Eichenholz 38 x 49,6 cm (Bild) Hamburger Kunsthalle, Geschenk Senator E. Johns, 1869 Inv. Nr.: HK-162 Sammlung: Alte Meister © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford

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