Hans von Marées

Villa Borghese, 1870/71

Marées’ Weggefährte in Rom, der Bildhauer Adolf von Hildebrand, identifizierte den Schauplatz des Bildes als Park der Villa Borghese in Rom. Die abendliche Parklandschaft erinnert an venezianische Pastoralen des Cinquecento in der Manier Giorgiones und Tizians, doch ist die Ausführung vage und skizzenhaft. In der linken Bildhälfte sind drei Paare mit ihren Kindern dargestellt, rechts ein über den Brunnenrand gebeugter Knabe, ein Zitat aus Tizians Gemälde Himmlische und irdische Liebe (1515/16, Galleria Borghese, Rom). Wie stets bei Marées sind die Deutungsebenen komplex. Vermutlich kündigt das symbolisch diverse Paarungen durchspielende Bild die Abkehr des Malers von traditionellen Rollenmustern zugunsten seiner künstlerischen Berufung an. Das am Rand der Baumreihe rechts wartende Pferd ist Symbol des Aufbruchs und bevorstehenden Abschieds. Wie sein vermutetes Gegenstück Römische Vigna (Inv. HK-1469) war das Gemälde für den Landsitz Konrad Fiedlers in Crostewitz bei Leipzig bestimmt. Marées war mehrfach zu Gast bei dem Kunsttheoretiker und Förderer der Deutschrömer.

Wolfgang Cortjaens

Details zu diesem Werk

Öl auf Leinwand 81,7 x 107,7 cm (Bild) Hamburger Kunsthalle, erworben 1914 Inv. Nr.: HK-1470 Sammlung: 19. Jahrhundert © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford

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