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Adolph Menzel

Rüstungen, 1866

Von 1861 bis 1865 arbeitete Menzel im Garde-du-Corps-Saal des Berliner Stadtschlosses an dem großformatigen Gemälde Die Krönung König Wilhelms I. in Königsberg. Während all dieser Jahre standen ihm zahlreiche an den Rand des Raumes gerückte Waffen und Rüstungen der Renaissance vor Augen. Nach Vollendung des Auftrags schuf Menzel in kurzer Zeit nach diesen Gegenständen etwa 20 Aquarell- und Deckfarbenblätter, die zu seinen erstaunlichsten künstlerischen Leistungen zählen. Es ist dabei gleichermaßen faszinierend wie beunruhigend, auf welche Weise es Menzel gelang, die Rüstungen zu verlebendigen. Auf dem Hamburger Blatt bewegen sich neun metallische Wesen gleichsam wie Roboter von links nach rechts in die Tiefe. Mittels der perfekt gesetzten Lichter erhalten die Gestalten eine geradezu packende Unmittelbarkeit. Diese Studien wie auch die wenig später entstandene Atelierwand (S. 125) belegen nachdrücklich, welch besondere Reize Menzel toter Materie abzugewinnen vermochte.

David Klemm
Als Menzel 1862-65 an dem Gemälde „Die Krönung König Wilhelms I. in Königsberg“ arbeitete, wurde ihm im Berliner Schloß der Garde du Corps-Saal zur Verfügung gestellt, in dem Waffen und Rüstungen der Renaissancezeit standen. Die meisten dieser Gegenstände wurden zwar weggeräumt, doch einige blieben bis zum Ende der Arbeit am Krönungsbild in Menzels Nähe. Nachdem er es Mitte Dezember 1865 fertiggestellt hatte, schuf Menzel bis in den Beginn des neuen Jahres hinein etwa zwanzig Aquarell- und Deckfarbenblätter nach diesen Rüstungen, die ihn bei der Arbeit jahrelang begleitet hatten. Sie belegen auf bemerkenswerte Weise die besonderen Reize, die Menzel der toten Materie abgewinnen konnte – vorher bereits in einigen Stilleben mit Gipsstücken und am eindruckvollsten wenige Jahre später in der Hamburger Atelierwand (Inv. Nr. 1266). Zusammen mit dem Krönungsbild hat Menzel einige von diesen Blättern 1866 in der Berliner Akademie der Künste als „Rüstkammerphantasien“ ausgestellt.
Die Rüstungen sind zu unterschiedlichen Gruppierungen formiert, die wie von unsichtbarer Hand in Bewegung versetzt erscheinen; ihre marionettenhaft wirkenden Hüllen haben sich mit Leben gefüllt – am suggestivsten im Hamburger Blatt, in dem Menzel sieben solcher Rüstungsgestalten sich wie Roboter von links nach rechts in die Tiefe bewegen lässt. Eine geheimnisvolle Aura umgibt sie in ihrem labilen Gleichgewicht aus Statuarik und Bewegung. Ihren beredten Gebärden und Gesten hat Menzel im Licht eine beunruhigende Unmittelbarkeit vor der leeren Fläche des braunen Papiers gegeben, weshalb Meier-Graefe das Besondere in diesen Studien „in der sprechenden Malerei, in der Meisterschaft, mit der die Fläche durch ein harmonisches Spiel von Flecken belebt wurde, und in der erstaunlichen Kongruenz dieses Spiels mit der Wirklichkeit“ sah. „Wieder denkt man an den Impressionismus“ (Meier-Graefe 1906, S. 201), und tatsächlich erinnern die Studien Menzels von weitem an die Tänzer von Edgar Degas.
P.P.

Details zu diesem Werk

Gouache in verschiedenen Grau- und Brauntönen sowie Weiß über Bleistift auf Papier auf Pappe 440 x 600 mm (Bild) Hamburger Kunsthalle, Erworben 1892 vom Künstler Inv. Nr.: HK-1273 Sammlung: KK Zeichnungen, Deutschland, 1850-1900 © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford

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