Adolph Menzel

Friedrich der Große in Lissa: Bonsoir, Messieurs!, 1858

Bereits im Jahre 1840 illustrierte Menzel Franz Kuglers „Geschichte Friedrichs des Großen“. Die vorliegende Szene bezieht sich auf eine bei Kugler überlieferte Legende, die Menzel als Auftragsarbeit anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Schlacht bei Leuthen im Wüten des Siebenjährigen Krieges anfertigte. Nach jener Schlacht soll sich Friedrich der Große mit seinen Vertrauten auf der Suche nach einer Unterkunft befunden haben und dabei in das von österreichischen Offizieren besetzte Schloss in Lissa (Leśnica/Polen) eingedrungen sein. Als er im Schlosshof auf die feindlichen Truppen stieß und mit den Worten „Bonsoir, Messieurs!“ wagemutig um ein Nachtquartier bat, wurde ihm ehrfürchtig der Eintritt gewährt. Daraufhin blieb dem Preußenkönig der Legende nach genügend Zeit, um seine restlichen Soldaten zu sich zu holen und die Stadt im Hinterhalt einzunehmen.
Im Zentrum der Komposition, die Menzel in ein Treppenhaus verlegt, stehen sich der fest entschlossen auftretende Friedrich der Große und ein vor Schreck erstarrter österreichischer Offizier unmittelbar gegenüber – beide werden nur vom Kerzenschein einer Laterne erhellt. Die dynamische Darstellung der zahlreichen, herunterstürmenden Soldaten nimmt jedoch den Fokus von der Zweiergruppe wieder zurück und verleiht der Szene eine destabilisierende und ekstatische Note.

Amelie Baader

Details zu diesem Werk

Öl auf Leinwand 247 x 190,5 cm (Bild) Hamburger Kunsthalle, erworben 1902 Inv. Nr.: HK-1271 Sammlung: 19. Jahrhundert © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford

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