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Adolph Menzel

Atelierwand, 1872

„Menzels verschlüsseltes Manifest“ (Werner Hofmann) gibt uns nach wie vor Rätsel auf. Wir blicken auf die pompejanischrote Wand eines Ateliers, an der Gipsabgüsse, Totenmasken und verschiedene Künstlerutensilien aufgereiht bzw. fixiert sind. Gleichermaßen schemenhaft wie gespenstisch treten die Gegenstände im diffusen Licht in Erscheinung. Scheinbar Lebendiges wirkt wie erstarrt, Totes gleichsam zum Leben erweckt. Im Zentrum der Komposition ist der gipserne Abguss des Torsos einer weiblichen Figur zu erkennen, der vermutlich auf ein antikes Vorbild rekurriert. Schräg von unten beleuchtet, markiert dieser zugleich die hellste Zone des Bildes. Den Gegenpol zum Antikenideal bilden die Totenmasken als Ausweis forcierter Individualität und Naturnähe. Unmittelbar links neben dem Torso hängt diejenige des Berliner Kunsthistorikers Friedrich Eggers, dem Menzel viel zu verdanken hatte und der im Entstehungsjahr des Bildes gestorben war. Damit eignet dem Gemälde der Charakter eines Gedächtnisbildes, jedoch lässt es sich auch allgemein als vielschichtiger Reflex über das Thema der Vergänglichkeit auffassen.

Markus Bertsch

Details zu diesem Werk

Öl auf Leinwand 111 x 79,3 cm (Bild) Hamburger Kunsthalle, Geschenk von Herrn Eduard Ludwig Behrens, 1896 Inv. Nr.: HK-1266 Sammlung: 19. Jahrhundert © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford

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