Reiner Ruthenbeck

Aschehaufen VI, 1968/71

Der Aschehaufen VI ist Teil einer Serie von Schüttungen, die Ruthenbeck von 1968 bis 1971 in acht Varianten konzipierte. Verschieden lange Vierkantrohre aus Eisen liegen sternförmig übereinander und sind mit 1,2 Tonnen Vulkanasche aus der Eifel überhäuft. Die Schüttung findet ohne Zutun des Künstlers statt. Der Neigungswinkel des Kegels auf Kreisbasis ist allein von der Schwerkraft bestimmt. Die Vierkantrohre durchdringen den Haufen und eröffnen Blickachsen durch diesen hindurch. Gegensätze wie Natur und Industrie, fest und lose, opak und transparent treffen aufeinander und werden zu einer formalen Einheit zusammengeführt. Die Präsenz der Asche und des Eisens ist frei von narrativem und symbolischem Gehalt. Die Stille und Konzentration des Werks sind charakteristisch für Ruthenbecks Auslegung der Materialkunst, die im Spannungsfeld des Schaffens von Joseph Beuys, der Arte povera und der Minimal Art entstanden ist. Die Konzeption des Werks ist in einer Zeichnung festgehalten, die sich im Kupferstichkabinett der Kunsthalle befindet.

Daniel Koep
MF 1997 S. 46
Text: Christoph Heinrich

Aus Gegensätzen setzen sich die Werke Reiner Ruthenbecks zusammen: Hart und weich, leicht und schwer, straff und locker sind die Bestandteile, die er in seinen Skulpturen zusammenführt. Ruthenbecks Formen sind keine Symbole, das Material seiner Werke erzählt keine Geschichte, es ist unbenutzt, nüchtern und wird -ohne dass es gewertet würde - einzig nach seinen physikalischen Eigenschaften eingesetzt. So fügt Ruthenbeck in seinem >Aschehaufen Vl< vier eiserne Vierkantrohre mit vulkanischer Asche zusammen. Zwei grundsätzlich unterschiedliche Materialien verbinden sich in der abstrakten geometrischen Form des Kegels vorübergehend zu einer Einheit, die jederzeit verletzt und zerstört werden kann. In einer Gegenwart des alles überschwemmenden Informationsstroms, einer Zeit der Relativierung und Technisierung verwandelt Ruthenbeck elementare Gegebenheiten zu Werken von meditativer Kraft.
CH

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Vier Eisenvierkantrohre sind kreuzweise übereinander gelegt und mit 1,2 Tonnen graubrauner vulkanischer Asche aus der Eifel überschüttet.

Im Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle befindet sich die Bleistift/Kohlezeichnung 'Aschehaufen mit Tunnel' von 1968 (Inv. Nr. 2000-106).

Details zu diesem Werk

Schlacke, Eisenvierkantrohre 60 cm, Länge 110 cm, 150 cm, 200 cm (Objekt) ca. 100 x 200 cm Gesamtmaß (Objekt) Rohre je 16 x 16 cm (Objekt) Hamburger Kunsthalle Inv. Nr.: G-1995-5 a Sammlung: Kunst der Gegenwart © VG Bild-Kunst, Bonn

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