Andreas Slominski

Falle, 1990

Mäusemassenfang

Die Fallen von Andreas Slomininski sind keine Attrappen. Sie sind funktionstüchtig, oft handelsübliche Geräte, manchmal verändert, teilweise selbst konstruiert. Es sind zum Beispiel Bären-, Fuchs- oder Vogelfallen, die in den Ausstellungsräumen „fängisch“, also zum Fangen bereit, aufgestellt werden. Im Museum allerdings stellt sich die Frage, auf wen die Fallen abzielen. Gelten sie dem Betrachter, der Institution oder vielleicht der Kunst selbst? Slominski trägt wenig zur Klärung bei, verstrickt sich stattdessen bei seinen Aussagen bewusst in Widersprüche. Damit stellt er eine weitere Falle: die Verwirrung. In seiner Kunst verwendet Slominski unscheinbare Gegenstände und Materialien aus dem Alltag, verrückt im Kunstkontext dann den eigentlichen Sinn, so dass dem Paradox, dem Absurden und dem Nonsens Platz gemacht wird. Er ist ein Fallensteller, wie er selbst sagt, und seine Fallen wollen zum Stolpern bringen – vor allem gedanklich.

Mechthild Achelwilm
MF 1997 S. 84/85
Text: Dörte Zbikowski

Zehn Fallen hat Andreas Slominski fängisch gestellt. In unendlicher Geduld und Ruhe und doch in Spannung lauern sie. Es sind Tierfallen aus unterschiedlichen Epochen und Kulturkreisen. Im Museum jedoch warten die Fallen nicht nur auf die Beute, für die sie erdacht wurden. Sie machen auf die Prinzipien des Fallenstellens aufmerksam. »Jeder ist ein Fallensteller«, sagt Slominski. Und jeder muss sich zugleich selbst vor den Fallen anderer in acht nehmen, also mit wachen Sinnen durchs Leben gehen. Diese Metapher hat ihre Parallele in Redensarten wie »Jemandem eine Falle stellen«, also ihm auf listige Weise nachstellen. Die bildhafte Umschreibung ist von der Tierfalle übernommen; Slominski wiederum nimmt sie wörtlich und zeigt mit dem ursprünglichen Bild die übertragene Bedeutung in vielfältigen Variationen auf.
DZ

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Mit der Falle für Mäusmassenfang werden Mäuse mit Käse auf eine Metallwippe gelockt, von der sie in einen Eimer mit Glykollösung fallen und ertrinken sollen.

Details zu diesem Werk

Kunststoff, Metall, Holz, Glysantin; Köder: Käse 34 x 70 x 29,5 cm (Objekt) Hamburger Kunsthalle Inv. Nr.: G-1994-2a Sammlung: Kunst der Gegenwart © Slominski

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