Thérèse-Éléonoré Lingée, Radiererin
nach Raffael, eigentlich Raffaello Santi oder Sanzio, Maler, Erfinder
Firmin Didot Frères, Fils & Co., Paris und Leipzig, Drucker, Verleger

Sibyllen, zwischen 1840 und 1871

Aus: "GEMÄLDE-GALLERIE ODER WERKE UND LEBENSBESCHREIBUNGEN DER BERÜHMTESTEN MALER [...], Paris und Leipzig o. J.; Pl.187

Der wohlhabende Bankier Agostino Chigi zählt zu den wichtigsten Auftraggebern Raffaels. Neben der Errichtung und Ausgestaltung der Familienkapelle in S. Maria del Popolo sowie der Ausmalung der am Tiber gelegenen Villa Farnesina schuf Raffael um 1511 für Chigi auch zwei große Fresken in S. Maria della Pace in Rom. Er wurde dabei von Timoteo Viti unterstützt. Eines der Wandbilder zeigt vier Sibyllen, wobei deren genaue Identifikation bis heute nicht eindeutig gelungen ist. Ältere Romführer benennen die Cumäische, Persische, Phrygische und Tiburtinische Sibylle.

Die Graphik mit den "Sibyllen" ist Teil eines umfangreichen Konvoluts mit populären Drucken nach Raffaels Werken. Ursprünglich wurden die Platten unter der Leitung von Charles Paul Landon für sein Werk "Vies et oeuvres des peintres les plus célèbres de toutes les écoles", 25 (?) Bde., Paris 1803-1817/25 (?)
gestochen und publiziert. Hier liegt die Auflage durch Didot Frères vor, welche laut eigener Aussage in den Besitz der Platten gekommen waren und diese nun günstiger veröffentlichten; es handelt sich um 160 Lieferungen insgesamt - Raffael war mit 4 Bänden in 53 Lieferungen vertreten. Der Lieferung wurde - wie bereits bei Landon - ein Bildnis des jeweiligen Künstlers vorangestellt.

Die Datierung des Hamburger Konvoluts ist schwierig, da der Kontext der Einzelblätter nicht abschließend geklärt werden kann. Dem Konvolut ist ein Umschlag beigefügt, der einige Ansätze für eine Datierung enthält. Wichtig ist etwa der dort angegebene Lieferungspreis in Neugroschen und Reichstalern. Der Neugroschen wurde zwischen 1840 und 1873 im Königreich Sachsen geprägt; der Reichstaler wurde bereits ab 1871 durch die Mark abgelöst.
Es ist denkbar, dass die Raffael-Lieferungen aufgrund der großen Popularität des Künstlers wohl relativ früh gedruckt worden sind (1840er Jahre), doch ist nicht auszuschließen, dass eine starke Nachfrage auch Nachdrucke erforderlich machte.

Klara Wagner / David Klemm

Details zu diesem Werk

Radierung 109mm x 243mm (Bild) 181mm x 299mm (Platte) 248mm x 321mm (Blatt) Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett Inv. Nr.: 72867 Sammlung: KK Druckgraphik, Frankreich, 19. Jh.

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