Antoine Abraham Devilliers (gen. Devilliers l'aîné), Radierer
nach Raffael (Werkstatt), Maler
nach Raffael, eigentlich Raffaello Santi oder Sanzio, Maler, Erfinder
Firmin Didot Frères, Fils & Co., Paris und Leipzig, Drucker, Verleger

Die Schule von Athen, zwischen 1840 und 1871

Aus: "GEMÄLDE-GALLERIE ODER WERKE UND LEBENSBESCHREIBUNGEN DER BERÜHMTESTEN MALER [...]", Paris und Leipzig o. J.; Pl.184

Die "Schule von Athen" ist eines der beiden Hauptbilder in der Stanza della Segnatura im Vatikan. Es veranschaulicht das Thema der Philosophie. Die Darstellung ist in der Antike angesiedelt, worauf nicht nur die imposante Architektur, sondern auch die Gewänder der Personen hinweisen. Zu sehen sind zahlreiche bedeutende Vertreter des Denkens, wobei vor allem Platon und Aristoteles in der MItte hervorgehoben sind. Mit der "Schule von Athen" erlangte die Kunst der Renaissance hinsichtlich der unübertrefflichen Figurenbildung wie auch im geisigen Gehalt ihren "klassischen" Höhepunkt.

Das Wandbild war stets hoch geschätzt, doch dauerte es relativ lange, bis die Kupferstecher den Detailreichtum wie auch die enorme Größe adäquat wiedergeben konnten. Über Giorgio Ghisi (Inv.-Nr. 719) und Giovanni Volpato führt die Linie der wichtigsten Reproduktionsgraphiken zu Louis Jacoby (Inv.-Nr. 45226). Kunsthistorisch weniger bedeutund und dennoch rezeptionsgeschichtlich wichtig ist die vorliegende Graphik, die das komplexe Wandbild auf seine Umrisse reduziert zeigt. Es entspricht einem Zeitstil, der um 1800 populär wurde und sich weit ins 19. Jahrhundert hinein hielt.

Die Graphik mit der "Schule von Athen" ist Teil eines umfangreichen Konvoluts mit populären Drucken nach Raffaels Werken. Ursprünglich wurden die Platten unter der Leitung von Charles Paul Landon für sein Werk "Vies et oeuvres des peintres les plus célèbres de toutes les écoles", 25 (?) Bde., Paris 1803-1817/25 (?) gestochen und publiziert. Hier liegt die Auflage durch Didot Frères vor, welche laut eigener Aussage in den Besitz der Platten gekommen waren und diese nun günstiger veröffentlichten; es handelt sich um 160 Lieferungen insgesamt - Raffael war mit 4 Bänden in 53 Lieferungen vertreten. Der Lieferung wurde - wie bereits bei Landon - ein Bildnis des jeweiligen Künstlers vorangestellt.

Die Datierung des Hamburger Konvoluts ist schwierig, da der Kontext der Einzelblätter nicht abschließend geklärt werden kann. Dem Konvolut ist ein Umschlag beigefügt, der einige Ansätze für eine Datierung enthält. Wichtig ist etwa der dort angegebene Lieferungspreis in Neugroschen und Reichstalern. Der Neugroschen wurde zwischen 1840 und 1873 im Königreich Sachsen geprägt; der Reichstaler wurde bereits ab 1871 durch die Mark abgelöst.
Es ist denkbar, dass die Raffael-Lieferungen aufgrund der großen Popularität des Künstlers wohl relativ früh gedruckt worden sind (1840er Jahre), doch ist nicht auszuschließen, dass eine starke Nachfrage auch Nachdrucke erforderlich machte.

Klara Wagner / David Klemm

Details zu diesem Werk

Radierung 266mm x 387mm (Bild) 296mm x 418mm (Platte) 318mm x 495mm (Blatt) Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett Inv. Nr.: 72864 Sammlung: KK Druckgraphik, Frankreich, 19. Jh.

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