Rembrandt Harmensz. van Rijn

Kreuzabnahme bei Fackellicht (Matthäus 27, 57-59, Markus 15, 43-46, Lukas 24, 50-53 und Johannes 19, 38-42), The Descent from the Cross by Torchlight (Matthew 27: 57-59, Mark 15: 43-46, Luke 24: 50-53 and John 19: 38-42), 1654

Rembrandt kann durchaus den Schwerpunkt einer Bilderfindung an den Rand verlegen, um den dramatischen Knoten seiner Darstellung zu schürzen. Diese nächtliche Kreuzabnahme drängt sich zu Füßen des Kreuzstammes auf einem knapp bemessenen Plateau. Auch das Zentrum des Lichtes, ja seine Quelle in der vorgereckten Fackel befindet sich dort. Die Schwerpunktsetzung des Lichtes an dieser Stelle am Rand des Blattes verstärkt die Dramatik. Aus der tiefen Dunkelheit des Raumes neigt sich eine Gestalt herab, die das Ende des Tuches ergriffen hat. Es ist ein gebeugter Greis, der Christi Leichnam in den Armen hält und mit der Last am Rand des Plateaus steht. Er wird weiter ausharren müssen, denn noch ist einer der Füße Christi an dem Stützholz des Kreuzes, dem sogenannten Suppedaneum, befestigt, und der Helfer, der sich von links nähert, hat mit einem Hammer das falsche Werkzeug in der Hand, um den Nagel zu ziehen. In der Tiefe darunter befindet sich die Bahre, auf die Josef von Arimathia, der Christus das schon für ihn vorbereitete Grab abtritt, das im Halblicht aufscheinende Leichentuch breitet. Klar ist, dass es mit dem Körper Christi nun in die Tiefe geht. Im Dunkel dieser Ebene befinden sich weitere teilnehmende Figuren, aus denen einer hervorgehoben ist, der sich mit großem Auge nach oben wendet und den Arm emporreckt. Seine Hand, voll vom Fackelschein getroffen, ist herausgehoben. Will er den Toten übernehmen, will diese Hand den Toten vor dem Fall schützen? Der großen Bewegungsrichtung des Herab antwortet dieses Herauf, aber mehr in allgemeiner Weise. Die Figur steht zu weit hinten, um dort den Körper entgegennehmen zu können. Eher ist hier an eine große Gebärde der Huldigung und Anerkennung zu denken, wie sie unter dem Kreuz zu dem Hauptmann gehört: „Seht, dieser ist Gottes Sohn gewesen.“

Thomas Gädeke

Details zu diesem Werk

Radierung und Kaltnadel 210mm x 161mm (Platte) 213mm x 164mm (Blatt) Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett Inv. Nr.: 6200 Sammlung: KK Druckgraphik, Niederlande, 15.-19. Jh. © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Christoph Irrgang, CC-BY-NC-SA 4.0

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