Pietro Santi Bartoli, Stecher
Raffael, eigentlich Raffaello Santi oder Sanzio, Erfinder
Gian Giacomo de' Rossi, Verleger

Zwei weibliche Figuren, 2. Hälfte 17. Jh.

Aus: 'Parerga atq. ornamenta, ex Raphaelis Sanctij prototypis [...], Tafel 3

Während die biblischen Szenen von Raffaels Loggien relativ häufig reproduziert wurden, erhielten die zahlreichen Stuckreliefs deutlich weniger Aufmerksamkeit. Vor diesem Hintergrund kommt der in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstandenen 43-teiligen Folge 'Parerga atq. ornamenta, ex Raphaelis Sanctij prototypis [...]' große Bedeutung zu. Pietro Santi Bartoli gibt die stuckierten Figuren in der Regel getreu wieder. Andererseits erlaubt sich der Stecher einige Freiheiten in der Zusammenstellung. Denn wiederholt sind von verschiedenen Pilastern stammende Figuren neu angeordnet. So stammen beispielsweise die beiden Männer auf Tafel 43 (vgl. Inv.-Nr. 61693), die Farben mischen bzw. zeichnen aus zwei verschiedenen Kontexten. Generell sind die Figuren zumeist seitenverkehrt. Es fehlen jegliche Angaben zu den orignalen Standorten. Auf Raffael als Erfinder verweist lediglich das Titelblatt.
Vgl. Corinna Höper: 'Mein lieber Freund und Kupferstecher': Raffael in der Druckgraphik des 19. Jahrhunderts, in: Corinna Höper: Raffael und die Folgen, Ostfildern-Ruit 2001, S. 105.

Zu den Stuckreliefs und ihren antiken Bezügen vgl. Walter Amelung: Die Stuckreliefs in den Loggien Raffaels und ihre Vorbilder. In: Theodor Hofmann: Raffael in seiner Bedeutung als Architekt, Zittau 1911, Bd. 4, Spalte 57-137. Eine umfassende Dokumentation bietet N. Dacos: Le Logge di Raffaello. Maestro e bottega di fronte all'antico. Rom 1986.

Pietro Santi Bartoli war in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ein sehr wichtiger, vornehmlich in Rom tätiger Reproduktionsgraphiker. Er veröffentlichte zahlireche, z. T umfangreiche Graphikserien, z. B. nach Raffael und Giulo Romano. Sein Schwerpunkt lag aber wohl im Bereich der Antikenrezeption. So stammen von ihm zahlreiche Wiedergaben von Sarkophagen und Reliefs, etwa von der der Marc-Aurel-Säule. Bartoli schuf überwiegend Radierungen.

David Klemm

Details zu diesem Werk

Radierung 177 x 132 mm (Platte) 224 x 331 mm (Blatt) Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett Inv. Nr.: 61653 Sammlung: KK Druckgraphik, Italien, 15.-19. Jh. © Bildarchiv Hamburger Kunsthalle / bpk