Alonso Cano
Alonso Cano (Nachfolge), ehemals zugeschrieben
Der Dominikanermönch Lorenzo di Grotteria mit dem wunderbaren Bildnis des Hl. Dominikus zu Soriano, 1620 - 1667
Die weit ausgeführte, detailreiche Zeichnung zeigt die Jungfrau Maria selbst, begleitet von Maria Magdalena und der hl. Katharina von Alexandrien, wie sie dem Dominkanermönch Lorenzo di Grotteria in Soriano erscheint und ihm das Bildnis des hl. Dominikus überreicht.
Neben dem vorliegenden Blatt existiert von weitestgehend derselben Darstellung ein Gemälde von Alonso Cano in der Sammlung Gómez-Moreno in Granada(Anm.1) und eine Radierung im der Zeichnung fast gleichen Format von Pedro de Obregón (1597–1659) in der Biblioteca Nacional in Madrid.(Anm.2) Aufgrund einiger Schwierigkeiten wird die Zeichnung in der Forschung, wie von Zahira Véliz, eher für eine Kopie nach Cano gehalten.
Ceán Bermúdez bemerkte in seinem “Diccionario”, die Radierung von Pedro de Obregón besessen zu haben, die nach einer Zeichnung aus dem damaligen Besitz des Don Pedro González de Sepúlveda (der womöglich auch das Hamburger Blatt Inv.-Nr. 38497 besaß)(Anm.3.) gefertigt worden sein sollte. In der Tat stehen die Zeichnung und die Radierung untereinander in wesentlich engerer Beziehung als eine der beiden zum Gemälde. Wegen der deutlicher Unterschiede darf ausgeschlossen werden, dass die Zeichnung oder die Radierung das Gemälde als Vorlage gehabt hätte. Dabei ist vor allem auffällig, dass das direkte Umfeld des vorgestellten Bildes im Bild unterschiedlich präsentiert wird: In der Zeichnung sowie in der Radierung wird das Bildnis von Maria Magdalenas und Katharinas Händen gestützt, im Gemälde lehnt Katharina fast schützend ihren gesamten rechten Unterarm oben auf das Bild, und hält es mit ihren linken Hand auf halber Höhe. Marias hinweisende Hand schiebt sich in der Zeichnung — wie in der Radierung — weiter ins Bild hinein. Dafür hält sich die rechte Hand des Dominkaners bei beiden mehr zurück, als sie es im Gemälde tut. Der hl. Dominikus selbst hält in der Zeichnung wie im Gemälde das Buch noch kaum wahrnehmbar unter dem schwarzen Skapulier, wohingegen er es im Gemälde deutlicher präsentiert. Seine leicht geneigte Kopfhaltung in der Zeichnung allerdings wird im Gemälde beibehalten, und ist in der Radierung dagegen gerade aufgerichtet. Hinzu kommt, dass die Radierung durch den bühnenartigen Vorraum, den weder die Zeichnung, noch das Gemälde aufweisen, das Geschehen insgesamt etwas nach hinten rückt. Diese Details lassen es nun unwahrscheinlicher erscheinen, dass die Zeichnung nach der Radierung entstanden ist, sondern doch eher Vorlage für sie war (so, wie es Ceán vermutete, vorausgesetzt, dass das Hamburger Blatt das ihm bekannte war), und auch in der Entwicklung der Komposition für das Gemälde ein fortgeschrittenes Stadium markiert.
1 “Santo Domingo in Soriano”, 116 x 160 cm, 1648–1652, Granada, Instituto Gómez-Moreno de la Fundación Rodríguez-Acosta, s. Kat. Gómez-Moreno 1992, S. 126–127, Nr. 30.
2 “Santo Domingo in Soriano”, 132 x 195 mm (Bildausschnitt), Madrid, Biblioteca NAcional, INVENT/41245, s. Ausst.-Kat. Madrid 2001, S. 82. Das Museo Nacional del Prado in Madrid bewahrt noch eine lavierte Federzeichnung zum gleichen Thema auf, das, wie die Inv.-Nr. 38495 und 38501, zur Folge für das “Convento de la Santa Cruz” gehört (vgl. Véliz 2007, S. 340, Fig. 28).
3 Vgl. zu den möglichen Zeichnungen im Besitz Sepúlvedas und den Schwierigkeiten, die hier betreffende zu identifizieren Ausst.-Kat. Madrid 2001, S. 83.
Details zu diesem Werk
Beschriftung fremd: Auf dem Verso nummeriert: "96" (Bleistift, unterstrichen, um 180 Grad gedreht)
Möglicherweise Don Pedro González de Sepúlveda (?);
[José Atanasio Echeverría]; Julian Benjamin Williams, Seville (d. 1866); John Wetherell (?) (d. 1865); Horatio/Nathan Wetherell (?) (until 1874); Frederick William Cosens, London (from 1874 to 1890); Sotheby's, London, auction of the property of Frederick William Cosens (from November 11 to 21, 1890); Bernard Quaritch Ltd., London (from November 1890 to July 1891); acquired by the Hamburger Kunsthalle (July 14, 1891).
Alonso Cano 1601-1667. Dibujos. Catálogo Razonado, Véliz, Zahira; Herausgeber: Fundación Botin, 2011, S. 125, Abb. S. Fig. III-55, Abb.-Nr.
The Spanish Gesture. Drawings from Murillo to Goya in the Hamburger Kunsthalle, Jens Hoffmann-Samland, with contributions by María Cruz de Carlos Varona, Gabriele Finaldi, José Manuel Matilla u. a., 2014, S. 56-57, Abb., 189, Abb.-Nr. , Kat.-Nr. 8
Die Spanischen Handzeichnungen in der Hamburger Kunsthalle zu Hamburg, August Liebmann Mayer, 1918, S. 116, Abb.-Nr.
Spanische Zeichnungen von El Greco bis Goya, Wolf Stubbe; Hamburger Kunsthalle, 1966, Abb.-Nr.
Alonso Cano's Drawings, Harold Edwin Wethey, 1952, S. 233, Abb.-Nr.
Alonso Cano. Painter, Sculptor, Arquitect, Harold Edwin Wethey; Herausgeber: Princeton University Press, 1955, S. 166, Abb.-Nr.
Alonso Cano. Pintor, escultor y arquitecto, Harold Edwin Wethey; Herausgeber: Alianza Editorial, 1983, S. 169, Abb.-Nr.