Johann Christoph Erhard

Der Hohe Göll und der Untersberg bei Salzburg, 1818

Verso: Perspektivische Konstruktionszeichnung

Das bemerkenswerte Aquarell zeigt den Blick auf das Massiv des Unterberges und den weiter entfernten Hohen Göll, rechts unterhalb des Unterberges ist die Silhouette von Schloss Leopoldskron erkennbar. Der Standort des Zeichners ist nicht genau zu ermitteln, doch ist er in dem Loigerfeld etwa unterhalb des Mönchsberges anzunehmen. Ein vom Mönchsberg aufgenommenes Aquarell zeigt das ganze Untersbergmassiv (Anm. 1), das Hamburger Aquarell setzt den Blick panoramaartig nach Süden bzw. nach links fort. Das Hamburger Blatt entspricht in der Breite dem Aquarell in Berlin; es ist zu vermuten, dass das Hamburger Aquarell in der Höhe etwas beschnitten wurde.
Beide Aquarelle gleichen sich in der Vereinfachung der zeichnerischen Mittel und beziehen ihren Reiz aus dem Kontrast von Vollendetem und Unvollendeten. Bereits in Österreich kontrastiert Erhard Nähe und Ferne, der nahsichtige Vordergrund bleibt unvollendet, nur skizzenhaft angedeutet und in der Aquarellierung flächig, erst in der Ferne gewinnt die Darstellung an Schärfe und Plastizität. Dieses Vorgehen wirft einerseits die Frage nach dem Einsatz von optischen Geräten auf, zeigt andererseits aber auch die Verweigerung einer bildhaften Geschlossenheit.
Die Bemerkung im Salzburger Katalog, das Blatt sei in der Auffassung mehr realistisch als romantisch erhellt vor allem der Vergleich mit einem Aquarell von Ernst Welker, das den Blick vom Mönchsberg auf den Hohen Göll und den Untersberg aus einem ähnlichen Blickwinkel zeigt.(Anm. 2) Es ist sicher erst nach seiner Rückkehr aus Rom 1828 in Wien entstanden, doch geht es zurück auf die gemeinsame Reise ins Salzburger Land 1818. Wo sich Welker um eine bildmäßige Geschlossenheit im Sinne einer stimmungsvollen Vedute anstrebt, steht Erhard unter dem unmittelbaren Natureindruck.

Peter Prange

1 Der Untersberg bei Salzburg, Bleistift, Feder in Grau, Aquarell, 277 x 388 mm, Berlin, Staatliche Museen, Kupferstichkabinett, Inv.-Nr. SZ 36, vgl. Gärtner 2012, S. 272, Nr. 317, Abb. 22.
2 Ernst Welker, Blick vom Mönchsberg auf Schloss Leopoldskron mit Hohem Göll und Untersberg, Bleistift, Aquarell, 325 x 460 mm, Salzburg Museum, Graphische Sammlung, Inv.-Nr. 1110-2006.

Details zu diesem Werk

Beschriftung fremd: Unten bezeichnet: "Der große Goehl und der Untersberg bey Salzburg" (Bleistift); verso von G. E. Harzen bezeichnet: "14.3 8.9" (Bleistift)

Nachlass des Künstlers, Rom, 1822; Johann Benjamin Erhard d. J., Nürnberg (Bruder des Künstlers); von dort erworben durch Georg Ernst Harzen (1790-1863), Hamburg (Lugt 1244); dessen Legat 1863 an die Stadt Hamburg für ein zukünftiges Museum, 1869 der neu eröffneten Kunsthalle übergeben (Archiv der Hamburger Kunsthalle, Nachlass Harzen, Inventar Ad: 01: 20, Fol. 693: "dergleichen [Wald und Gebirgslandschaft bey Salzburg] Landschaft mit einem reifen Kornfeld im Mittelgrund Der große Gohl und der Untersberg bey Salzburg. {In (durchgestrichen)} Bleistiftstudie in Aquarell ausgeführt. Theils sehr vollendet. Br. 14.3 H. 8.9“

Le sentiment de la montagne; Musée de Grenoble; Palazzo Bricherasio, Turin, 1998, S. 171, Abb., Abb.-Nr. , Kat.-Nr. 73

Johann Christoph Erhard (1795-1822). Der Zeichner; Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, 1996, S. 168-169, Abb.-Nr. , Kat.-Nr. 49, Abb.

Salzburg und das Salzkammergut. Eine künstlerische Entdeckung der Stadt und der Landschaft in Bildern des 19. Jahrhunderts, Heinrich Schwarz, 1977, Abb. S. Taf. 91, Abb.-Nr.

Romantik in Österreich. Malerei und Graphik; Residenzgalerie, 1959, S. 26, Abb.-Nr. , Kat.-Nr. 15

Salzburg und das Salzkammergut. Die künstlerische Entdeckung der Stadt und der Landschaft im 19. Jahrhundert, Heinrich Schwarz, 1957, Abb. S. Taf. 74, Abb.-Nr.

Vom Klassizismus zur Spätromantik. Zeichnungen und Aquarelle 1770-1860, Monika Schulte- Arndt; Herausgeber: Manfred Fath, 1997, S. 28, Abb.-Nr. , Kat.-Nr. bei Nr. 32

Johann Christoph Erhards "malerische Reise" ins Salzkammergut, Marleen Gärtner; Herausgeber: Helge Vogel, 1996, S. 92, Anm. 14, Abb.-Nr.

Johann Christoph Erhard (1795-1822). Sein Leben und seine Zeichnungen, Marleen Gärtner, S. 95, 97, 149, 271, Abb. S. 21 auf S. 376, Abb.-Nr. , Kat.-Nr. 316

Aquarell über Bleistift Technik Verso: Bleistift 240mm x 388mm (Blatt) Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett Inv. Nr.: 23150 Sammlung: KK Zeichnungen, Deutschland, 1800-1850 © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Christoph Irrgang

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