Jan Baptist Weenix

Landschaft mit halb zerstörter Gebäudegruppe, um 1646

Die wesentlichen Stilmerkmale dieses Blattes – geschmeidig fließende Konturen und großzügig angelegte Schraffur – stehen zwei Rötelzeichnungen in Hannover nahe, dem „Ponte Molle“ und der „Felsbastion in einer Flusslandschaft“.(Anm.1) Der gleichen Werkgruppe zugehörig sind eine „Phantastische Turmruine“ in Moskau und die etwas altertümlicher wirkende, in der nervös bewegten Linienführung an die 1641 datierte Wiener „Ruinenlandschaft“ erinnernde „Felsenstraße“ in München.(Anm.2) Deren Signatur gleicht – bei abweichender Endung („ix“ anstelle von „inx“) – der des Hamburger Blattes und gibt einen Anhaltspunkt für eine Datierung um 1646.(Anm.3)

Annemarie Stefes

1 Hannover, Kestner-Museum, Inv.-Nr. N 130 und Inv.-Nr. N 131, von Heusinger 1960, Nr. 133 und 134, Anne-Charlotte Steland: Jan Baptist Weenix in Rom - 1643 bis 1647. Zur Datierung des zeichnerischen Frühwerks anhand von Signaturveränderungen, in: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte 33, 1994, S. 87-112, Abb. 27 und 28. Die rückseitige Beischrift der „Felsbastion“ nennt übrigens Harzen als Vorbesitzer. Diese Zeichnung kann in seinem Inventar jedoch nicht identifiziert werden. Also ist davon auszugehen, dass Harzen sie in seiner Eigenschaft als Kunstmakler nur vorübergehend besaß.
2 Moskau, Puschkin Museum, Inv.-Nr. 1096, Anne-Charlotte Steland: Jan Baptist Weenix in Rom - 1643 bis 1647. Zur Datierung des zeichnerischen Frühwerks anhand von Signaturveränderungen, in: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte 33, 1994, S. 87-112, Abb. 26; Wien, Grafische Sammlung Albertina, Inv.-Nr. 9560, Die Landschaft im Jahrhundert Rembrandts. Niederländische Zeichnungen des 17. Jahrhunderts aus der Graphischen Sammlung Albertina, Ausst.-Kat. Wien, Graphische Sammlung Albertina, Wien 1993, Nr. 42; München, Staatliche Graphische Sammlung, Inv.-Nr. 1946, Wegner 1973 a, Nr. 1062. Die fließenden Linien im Vordergrund verbinden mit einer Weenix-Zeichnung in den Staatlichen Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett, Inv.-Nr. KdZ 14496, Elfried Bock, Jakob Rosenberg: Die niederländischen Meister. Beschreibendes Verzeichnis sämtlicher Zeichnungen, Staatliche Museen zu Berlin. Die Zeichnungen alter Meister im Kupferstichkabinett, 2 Bde., Berlin 1930, Bd. 1, S. 318.
3 Vgl. Anne-Charlotte Steland: Jan Baptist Weenix in Rom - 1643 bis 1647. Zur Datierung des zeichnerischen Frühwerks anhand von Signaturveränderungen, in: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte 33, 1994, S. 87-112, S. 101. In seinem Testament von 1642 und auf der 1641 datierten Wiener Zeichnung nannte der Künstler sich „Jan Weeninx“; die italienische Schreibweise „Gio Batta Weenix“ verwendete er erst nach seiner Rückkehr in die Niederlande.

Details zu diesem Werk

Rötel auf ehemals weißem Papier; Einfassungslinien (Feder in Braun) 121 x 199 mm (Blatt) Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett Inv. Nr.: 22711 Sammlung: KK Zeichnungen, Niederlande, 15.-19. Jh. © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Christoph Irrgang

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