Cornelis Saftleven

Der Engel Raphael verlässt die Familie des Tobias, 1644

Im Aufbau erinnert die Zeichnung an Saftlevens gemalten „Abschied des Engels Raphael von Tobias und seiner Familie“ in München und ist wohl auch in diesem Sinne zu deuten.(Anm.1) Gemäß dem Bericht in den biblischen Apokryphen (Tobit 12) knien der alte Tobit und sein Sohn Tobias vor dem Engel, der die angebotenen Geschenke – Sklaven, Vieh und Geld in Fässern und einer geöffneten Truhe – ablehnt und auf himmlischen Lohn verweist. Seine Körpersprache ist jedoch weniger eindeutig als auf dem Gemälde: Hier ist Raphael ganz auf die Menschen ausgerichtet, dort hat er sich bereits von ihnen abgewandt und ist im Begriff, sie zu verlassen. Diese Unklarheit war wohl auch ausschlaggebend für die ehemalige Interpretation der Hamburger Zeichnung als Darstellung der Berufung Abrahams.(Anm.2) Allerdings war sich bereits Harzen nicht sicher genug, um eine genaue Bestimmung der Szene vorzunehmen.
Die Zeichnung ist monogrammiert und datiert, was nicht als Indiz auf eine Funktion als selbständiges Kunstwerk zu bewerten ist. Vielmehr zählt sie zu den seltenen Kompositionsentwürfen Saftlevens, die entweder mit Blick auf das Münchner Bild angefertigt wurde oder für eine weitere, heute unbekannte gemalte Fassung.

Annemarie Stefes

1 München, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Alte Pinakothek, Inv.-Nr. 1246, Wolfgang Schulz: Cornelis Saftleven 1607-1681. Leben und Werke. Mit einem kritischen Katalog der Gemälde und Zeichnungen, Berlin u. a. 1978, Nr. 543.
2 Vgl. 1. Mose 12, 1–5. Auf übereinstimmende Motive mit dieser Szene verwies auch Wolfgang Schulz: Cornelis Saftleven 1607-1681. Leben und Werke. Mit einem kritischen Katalog der Gemälde und Zeichnungen, Berlin u. a. 1978, S. 71.

Details zu diesem Werk

Schwarze Kreide, grau laviert auf gelblichem Papier; Einfassungslinien (schwarze Kreide und Graphit) 198 x 252 mm (Blatt) Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett Inv. Nr.: 22476 Sammlung: KK Zeichnungen, Niederlande, 15.-19. Jh. © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Christoph Irrgang

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