Meister der E-Serie der sogenannten Tarockkarten des Mantegna (Meister von Ferrara), zugeschrieben, Stecher
nach Andrea Mantegna, zugeschrieben, Erfinder

Der Tod des Orpheus, um 1470

Orpheus, der sich nach dem Tod der Eurydike den Knaben zuwandte, fällt der Raserei der verschmähten Thrakerinnen zum Opfer. Neben dem Kupferstich, von dem sich das einzige bekannte Exemplar in der Hamburger Kunsthalle befindet, zeigt eine Zeichnung des jungen Dürer (S. 285) mit leichten Abwandlungen dasselbe Motiv. Obgleich beide Werke sehr sicher auf eine Vorlage aus dem Umkreis Mantegnas zurückgehen, deuten stilistische Merkmale darauf hin, dass der Stich von der Hand eines Ferrareser Meisters stammt. Dies wird besonders augenscheinlich im Vergleich mit einer zeitgenössischen Kupferstichserie aus Ferrara, in der sich dieselbe geradlinige Kreuzschraffur innerhalb kräftiger Umrisslinien findet. Merklich bedient sich die Figurenkomposition auch antiker Vorbilder: Insbesondere der kniende Orpheus setzt ein klassisches Schema sterbender Figuren fort, das ebenfalls bei anderen Künstlern des Quattrocento auftaucht. Der Tod des Orpheus bezeugt somit deutlich den Einfluss der Antike auf die Stilentwicklung der Frührenaissance.

Christian Auffarth

Details zu diesem Werk

Kupferstich 146 x 215 mm (Blatt) Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett Inv. Nr.: 22 Sammlung: KK Druckgraphik, Italien, 15.-19. Jh. © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Christoph Irrgang