Lodewijk de Vadder, Nachfolger
Jacques d' Arthois, ehemals zugeschrieben

Landschaft mit Jägern und Reisenden

Die Zeichnung galt zuletzt als Werk des Jacques d’Arthois, und wurde als solches auch 1972 von Carlos van Hasselt erwähnt.(Anm.1) Jedoch sind die Zeichnungen dieses Künstlers – bei grundsätzlicher Verwandtschaft in den fein gestrichelten Strukturen – präziser und markanter gearbeitet und ohne Vorbild für die hier teppichhaft miteinander verwobenen Farben.(Anm.2)
Dagegen erinnert die diffuse Gestaltung von Baumschlag und Hintergrund an eine Zeichnung, deren ehemalige Zuschreibung an D’Arthois kürzlich zugunsten einer Zuweisung an Lodewijk de Vadder korrigiert wurde.(Anm.3) So wäre auch das vorliegende Blatt eher in Umkreis oder Nachfolge De Vadders anzusiedeln.
Eine gegenteilige Meinung vertrat Martin Royalton-Kisch, der das Blatt eher der holländischen Schule zuordnen würde und dabei an Künstler wie Jan van der Meer (II) oder Dirk Maas dachte.(Anm.4) Beide bevorzugten jedoch gefälligere Formen, und entsprechend sperrig wirken die Baumkronen des vorliegenden Blattes in Gegenüberstellung mit den Hamburger Zeichnungen dieser Künstler (Inv.-Nr. 22135 und 22143). Darüber hinaus spielt die Kontur bei Maas und Van der Meer eine ungleich wichtigere Rolle für die Definition der vegetabilen Formen, während sich diese hier vorwiegend aus Schraffen und Kürzeln zusammensetzen. Allenfalls wäre an Werke des Haarlemers Vincent Laurensz. van der Vinne zu denken, der in einigen Landschaftszeichnungen ebenfalls schwarze Kreide mit Rötel kombinierte – dort allerdings als in sich homogene Flächen einander kontrastierend gegenübergestellt.(Anm.5)
Aus diesen Gründen sollte an der flämischen Herkunft des Blattes festgehalten werden. Sicher auszuschließen ist die alte Assoziation mit Herman van Swanevelt, zu dessen Œuvre weder stilistischer noch kompositorischer Bezug besteht.

Annemarie Stefes

1 Flemish Drawings of the Seventeenth Century from the Collection of Frits Lugt, Ausst.-Kat. London/Paris/Bern/Brüssel, Gent 1972, S. 146, Anm. 5.
2 Vgl. Inv.-Nr. 21635 und die dort zitierten Vergleichsbeispiele.
3 Aukt.-Kat. Amsterdam, Sotheby’s, 2. 11. 2004, Nr. 61; vgl. auch eine farbig überarbeitete, ebenfalls De Vadder zugeschriebene Zeichnung, Aukt.-Kat. London, Christie’s, 29. 11. 1977, Nr. 124.
4 Mündlich, 1. 10. 2008, auf Grundlage einer Digitalphotographie.
5 Dabei handelt es sich in erster Linie um Ruinendarstellungen in der Nachfolge Nicolaes Berchems, wobei die rote Kreide für die Wiedergabe der Architekturelemente, die schwarze Kreide für die landschaftliche Rahmung verwendet wurde: Haarlem, Noord-Hollands Archief, Inv.-Nr. 53-000141 K und Inv.-Nr. 53-000143 K. Vgl. auch die Zeichnung von Vincent Laurensz. van der Vinne, ebd. Inv.-Nr. 53-005311 (49/44).

Details zu diesem Werk

Schwarze Kreide, Rötel, Pastell (Blau, Grün, Ocker) auf gelblichem Papier; Einfassungslinien (Feder in Schwarz) 281 x 377 mm (Blatt) Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett Inv. Nr.: 21636 Sammlung: KK Zeichnungen, Niederlande, 15.-19. Jh. © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Christoph Irrgang