Nicolas-André Monsiau

Raffael präsentiert Papst Leo X sein Gemälde der Verklärung Christi (Transfiguration Christi), um 1804

Nicholas-André Monsiau (Anm. 1), ein Schüler des Malers Jean-François Pierre Peyron (1744-1814), reiste mit seinem Lehrer und der finanziellen Unterstützung seines Förderers, dem Marquis de Corberon (Anm. 2), von 1776 bis 1780 nach Italien, wo er Jacques-Louis David (1748-1825) und Pierre-Henri de Valenciennes (1750-1819) kennen lernte. In Rom studierte Monsiau u. a. die Werke der Antike und Raffaels. (Anm. 3) Nach seiner Rückkehr nach Paris stellte er 1781 und 1782 auf dem Salon de la Correspondance aus, der Durchbruch gelang aber erst 1789 mit dem Gemälde „Tod des Agis, König von Sparta“ (Anm. 4), was verbunden war mit der Aufnahme in die Akademie. 1791 und 1793 war er mit Themen der antiken Geschichte und Mythologie auf dem Pariser Salon vertreten. 1798 präsentierte er erstmals ein Thema zur Geschichte der Malerei: „Der griechische Maler Zeuxis wählt seine Modelle aus“. (Anm. 5) Während der Jahre der Schreckensherrschaft in Frankreich zwischen Juni 1793 und Ende Juli 1794 wurde Monsiau durch de Corberon und einen weiteren Gönner namens Daucourt, dessen Tochter Monsiau 1792 geheiratet hatte, vor dem Tod bewahrt. Daucourt und de Corberon wurden 1793 und 1794 hingerichtet. Monsiau widmete sich in dieser Zeit zurückgezogen vor allem Illustrationsvorlagen zu den Werken von Ovid, Jean-Jacques Rousseau, Jacque Delille und Salomon Gessner. Ab 1798 stellte er erstmals wieder auf dem Salon aus, wo er bis 1833 – u. a. 1804 mit dem Gemälde „Der Tod des Raffael“ (vgl. Inv.-Nr. 2019-1) – immer wieder präsent war. Eine seiner populären Kompositionen war das Bild „Der Löwe von Florenz“, das eine Begebenheit aus den Boboli-Gärten in Florenz dramatisch in Szene setzt, wo ein Löwe ausgebrochen und eine Frau angefallen hatte, die ihr Kind zu schützen versuchte. (Anm. 6)
Das hier von Monsiau aus dem Leben Raffaels herausgegriffene Ereignis – der Künstler präsentiert sein Gemälde der „Verklärung Christi“ dem beeindruckten Papst Leo X. – scheint hier erstmals in der Kunstgeschichte als Motiv dargestellt worden zu sein. Die Szene ist eine frei erfundene Geschichte des Künstlers Monsiau. In Vasaris Raffael-Vita ist diese Begebenheit so nicht überliefert.
Raffael steht mit geneigtem Kopf neben seinem Gemälde der „Verklärung Christi (Transfiguration“) in seinem Atelier. Die rechte Hand ist untertänig vor der Brust erhoben, in der linken hält er Pinsel und Malerpalette. Er scheint mitten in der Arbeit an dem Bild gewesen zu sein, das neben ihm auf auf zwei Holzschemel aufgebockt steht. Ihm gegenüber sitzt auf einem Lehnstuhl Leo X mit beinahe zum Jubel erhobenen Armen. Er scheint zu einem Überraschungsbesuch vorbeigekommen zu sein. Hinter dem Gemälde stehen mehrere junge Männer, sicher Schüler des Meisters. Hinter ihnen blickt man auf die antiken Statue eines Athleten oder Gladiators. Rechts vor dem Bild kniet ein weiter Schüler Raffaels, er weist mit geöffneten Armen auf das Bild hin und schaut gebannt zum Papst. Links vor ihm steht ein kleiner Holzschemel, neben dem eine zum teil aufgerollte, demnach größere Zeichnung liegt. Es handelt sich sicher um eine Studie zum Gemälde und soll und so den Enststehungsprozess des Meisterwerks für den Betrachter in Szene setzen. Rechts und links neben dem Papst knieen zwei Männer aus der geistlichen Entourage andächtig vor dem übermächtigen Gemälde. Durch die Tür, die von zwei bewaffneten, im Nebenraum stehenden Hellebardieren bewacht wird, die den Papst begleitet haben, drängen drei von der Präsenz des Bildes überwältigte junge Männer in den Raum hinein. Die große Tür, die von einem zurückgezogenen Vorhang beschlossen wird, ist bekrönt durch ein dreieckiges Giebelfeld mit einem Bildnismedaillon, das in den Gesichtszügen nicht zu identifizieren ist. Im Vergleich mit der Beschreibung des 1804 von Monsiau im Salon ausgestellten Gemäldes „Der Tod Raffaels“ (vgl. Inv,.-Nr. 2019-1) lässt sich das gemeinte Porträt aber als das von Raffaels Lehrmeister Pietro Perugino benennen.

Andreas Stolzenburg

1 Zur wenig erforschten Biographie N.-A. Monsiaus vgl. die „Notice sur la vie et les ouvrages de M. Monsiau“, in: Aukt.-Kat. 1837, S. 3-7 (mit einem Verzeichnis der wichtigsten Gemälde, S. 4-7, Nr. 1-16); Lee 1996; Ruck 2016. Vgl. ein Selbsbildnis des Künstlers von 1827; Öl auf Leinwand, 60 x 49 cm, Paris, Musée du Louvre, Inv.-Nr. RF 186. – Für freundliche Unterstützung bei den Recherchen danke ich Wilfred de Bruijn, Paris, Fondation Custodia.
2 Bei Lee 1996 „Couberon“, bei Ruck 2016 „Corberon“. Wahrscheinlich handelt es sich um den Marquis Pierre Philibert Bourrée de Corberon (1746-1794), der in der Muskigeschichte bekannnt wurde, durch den Besitz einer Violine von Antonio Stradivari von 1726, die sich heute in der Royal Academy of Music befindet (vgl. https://tarisio.com/cozio-archive/property/?ID=40655; letzter Aufruf: 5. 3. 2020).
3 Vgl. Aukt.-Kat. Paris 1837, S. 12, Nr. 42 bis („Vingt-cinq dessins; Études faites à Rome d`après l`antique, Raphael, et autres maîtres.“).
4 Paris, Musée du Petit Palais; Lee 1996, S. 902, Abb.
5 Vgl. Heim/Béraud/Heim 1989, S. 290-292.
6 1801, Öl auf Leinwand, 162 x 194 cm, Paris, Musée du Louvre; Lee 1996, S. 903.

Details zu diesem Werk

Aquarell über Feder und Pinsel in Braun 377 x 332 mm (Blatt) Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett. Erworben 2020 von der Galerie, Michel Descours, Lyon mit Mitteln der Campe`schen Historischen Kunststiftung Inv. Nr.: 2020-17 Sammlung: KK Zeichnungen, Frankreich, 19. Jh. © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Christoph Irrgang

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