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Bernd und Hilla Becher

Gasbehälter Jersey City, New Jersey USA (7 Photographien als Beitrag der Künstler zur Erweiterung einer 9teiligen Typologie), 1973-1993

Bernd und Hilla Bechers Fotografien von Industriebauten sind in ihrer nüchtern-wissenschaftlichen Wiedergabe einem typologischen Interesse verpflichtet, das in den Fotoserien etwa eines August Sander sein Vorbild findet. Wie die Serie der Gasbehälter zeigt, die zwischen 1973 und 1993 entstanden ist, versuchte das Fotografenpaar Begleiterscheinungen wie Wolken am Himmel in seinen Aufnahmen ebenso auszublenden wie Hinweise auf konkrete Arbeitsvorgänge oder die Jahreszeit. Bevorzugte Aufnahmebedingung war den Fotografen ein bedeckter Himmel, um harte Schatten zu vermeiden und stattdessen die feinen Grauabstufungen zur vollen Geltung kommen zu lassen. Die Präsentation der Bilder in identischen weißen Rahmen, die in Blöcken gehängt werden, unterstreicht den seriellen Charakter ihrer Kunst und lädt den Betrachter zum vergleichenden Sehen ein. So lässt sich ihre Arbeit auch als „plastische Wahrnehmungslehre in Bildern“ (R. Sachsse) umschreiben.

Jonas Beyer
BK GdG V.2, S. 40

Zu den wichtigsten Anregern der Künstlerphotographie nach 1945 gehören Bernd und Hilla Becher. Seit dem Ende der fünfziger Jahre widmeten sie sich systematisch der Aufnahme von Industrieanlagen, zunächst im Ruhrgebiet. Be¬einflusst u. a. von den typologischen Photoserien von August Sander stellten sie Motive wie Hochöfen, Gasometer, Wassertürme, Fördertürme und andere, häufig vom Abbruch bedrohte, denkmalwürdige Industrieanlagen zu Serien zusammen. Alles »anonyme Skulpturen« in den Augen der Bechers, ebenso bildwürdig wie traditionelle Kulturdenkmale. Den Bechers ging es jedoch nicht um einen feierlichen Blick auf das Schöne und Einmalige dieser Bauten, sondern um ein nüchternes, möglichst leidenschaftsloses Erfassen dieser Gebäudetypen. Um die Vergleichbarkeit der Aufnahmen zu erreichen, versuchten sie wie Naturwissenschaftler unter stets gleichen Bedingungen zu arbeiten. Das heißt, dass die Aufnahmen schwarzweiß gemacht wurden und bei bedecktem Himmel entstanden, um Schattenbildung zu verhindern. Auch Wetterumstände wie Gewitter oder Schnee, die sich thematisch vor das eigentliche Sujet schieben könnten, wurden zugunsten von neutralem, jahreszeitlich möglichst unbestimmbarem Tageslicht gemieden. Um das jeweilige Objekt gleichmäßig bildfüllend in Szene zu setzen, wurde ein Blickpunkt auf halber Höhe gewählt. Oft tagelang warteten die Bechers, bis sich das für sie ideale Licht für eine Aufnahme einstellte. Retuschen der Abzüge machten sie selten, zu ihrer photographischen Ethik gehört die Authentizität der Aufnahme. Neben diesem Anspruch bestechen ihre Photographien auch durch die hohe handwerkliche Qualität der Abzüge, die allesamt von ihnen selbst produziert wurden. Während die perfekten Prints durch eine ganz fein abgestufte Fülle von Grauwerten durchaus opulent wirken, rückt ihre Präsentation die Arbeiten eher in die Nähe von Konzeptkunst: Immer gleichartig weiß gerahmt werden die Serien oder Teile der Serien geometrisch zu Blöcken arrangiert, um das Serielle zu betonen.
Seit 1976 leitete Bernd Becher eine Klasse für künstlerische Photographie an der Kunstaka-demie in Düsseldorf, unterstützt von Hilla Becher. Sie prägten dort eine ganze Generation von Schülern wie Andreas Gursky, Gandida Höfer, Axel Hütte, Thomas Ruff, Thomas Struth oder Jörg Sasse. Vor allem die nüchtern-wissenschaftliche Herangehensweise, der distanzierte Blick und eine konzeptuelle Haltung wurden von den Schülern der Bechers auf andere Felder der Photographie übertragen. Die Objekte sind unmittelbar vor die Linse der Photographen gerückt und mit oft unbarmherziger Tiefenschärfe bis ins Detail festgehalten. Gearbeitet wird von fast allen Becherschülern in Serien.

Details zu diesem Werk

Schwarzweißfotografie je 40,4 x 30,9 cm (Bild) Hamburger Kunsthalle Inv. Nr.: 2001-120-1 Sammlung: KK Fotografie © Estate Bernd und Hilla Becher / © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Christoph Irrgang

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