Candida Höfer

Bank Oldenburg I, 1998

Candida Höfers Fotografien zeichnen sich durch die Wiedergabe meist menschenleerer Orte aus. Doch selbst wenn aufwändige Einrichtungen innerhalb eines Raums fehlen, wie in Bank Oldenburg I, lässt sich deren Funktion schnell erfassen. Gezeigt ist ein Tresorraum, der allein durch künstliches Licht beleuchtet wird und dem ein halböffentlicher Charakter zu eigen ist. Höfer verzichtet auf die Wiedergabe menschlicher Handlungen, bezieht allerdings Spuren vorangegangener Aktivitäten ein, etwa durch das am rechten Bildrand auszumachende Stuhlbein und die Trittmuster auf dem Teppichboden. Als könne dieser Ort gleich von neuem belebt werden, erlaubt uns Höfer in einem Moment des Stillstands, der Funktion des Raums und seinen visuellen Metaphern ungestört nachzugehen. Der klar strukturierte Bildaufbau und die Einförmigkeit der Tresorreihen erzählen von standardisierten, geschäftsmäßigen Handlungen, während der abweisende Charakter des polierten Metalls Diskretion verspricht und vom Schutz der in den Fächern aufbewahrten Güter kündet.

Jonas Beyer
MF 1997 S. 89
Text: Hanna Hohl

Durch das relativ kleine Format ihrer Abzüge betont Candida Höfer, dass es sich um Fotografien handelt, auch wenn sie wie Bilder für die Wand bestimmt sind. Was sie macht, ist nicht Architekturfotografie, nicht Sachfotografie, sondern sie nimmt das Charakteristische von Räumen auf, die klar überschaubar und von Licht erfüllt sind. Es sind öffentliche Orte der Forschung, der Bildung oder der musealen Konservierung, menschenleer, doch geprägt von Traditionen und Konventionen. So zeugen sie von Zeit, Geschichte und sozialer Gegenwart. Stringenz des Ausschnitts verbindet Höfer mit Konstruktivität des Bildaufbaus und struktureller Ordnung. Doch fördert ihr fotografischer Blick dabei auch das Zufällige, das Paradoxe, die Irritation dieser Ordnung zutage. Ihre Bilder sind nicht übersetzbar, behalten einen unerklärlichen Rest, der dazu herausfordert, über das Medium Fotografie sowie unsere eigene Sichtweise und unsere Einstellung als Betrachter nachzudenken.
HH

Details zu diesem Werk

C-Print 120 x 120 cm (Blatt) Hamburger Kunsthalle Inv. Nr.: 1999-22 Sammlung: KK Fotografie © Hamburger Kunsthalle / bpk © VG Bild-Kunst, Bonn Foto: Elke Walford

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