Dieter Roth

Müll, 1987

Einzelne, kleine Formen – comicartige Köpfe, melonenförmige Hüte und glühbirnenartige Konturen in Rot, Blau, Grün und Schwarz – überwuchern in immer gleichen Umrissen das Blatt. Die Wiederholung der exakt gleichen Formen lässt die Verwendung von Stempeln vermuten. Die Formen lassen sich in Roths 1968 in limitierter Auflage herausgegebenem Stempelkasten wiederfinden, der zwölf Stempel sowie Farbe, Stempelkissen und Gebrauchsanweisung enthält. Die Anleitung weist die Stempel als Instrumentarien aus, um ein eigenes Vokabular zu bilden, indem den Formen individuelle Bedeutungen zugeordnet werden. So können ganze Geschichten erzählt werden. Das Neben- und Übereinander der Formen und deren unterschiedliche Lesbarkeit verweist auf eine Vieldeutigkeit, mit der der Künstler die Beschränktheit eines linearen Sprachkonzepts unterläuft. Der Titel Müll bedeutet keine Abwertung; bei Roth avancierte Abfall zu künstlerischem Material, das sich wegen der Verwesungsprozesse in dauerhafter Veränderung befindet.

Mechthild Achelwilm

Details zu diesem Werk

Stempel, Aquarell, Deckfarbe 625 x 878 mm (Blatt) Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett Inv. Nr.: 1988-151 Sammlung: KK Zeichnungen, 20.-21. Jh. © Dieter Roth Estate, Courtesy Hauser & Wirth © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Christoph Irrgang

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