Arnulf Rainer

Körpersprache, 1975

Ende der 1960er Jahre begann Arnulf Rainer mit Übermalungen von Fotografien, nachdem er zuvor in der Serie der Face Farces mit Automatenfotos die Ausdrucksfähigkeit des eigenen Gesichtes hinterfragt hatte. In den ca. 250 Bildern der Body Poses ging er einen Schritt weiter: Mit Ölkreide, Kohle und Bleistift überzeichnete er die eigenen Körperposen, um so die Anspannung, Erregung und gestische Expressivität zu steigern. Der dem Wiener Aktionismus nahestehende Künstler ging dabei in der Intensität und Aggressivität seiner Übermalungen bis zur Selbstauslöschung: „Ich produzierte Fotos mit gemalten Akzentuierungen, Pointierungen oder gar graphischen Wucherungen. […] Entfaltung, Steigerung, Verwandlung, Verfremdung, Zerstörung meines Antlitzes entwickelten sich.“ Rainers kompromisslose Selbsterkundungen stehen damit am Anfang einer Reihe von künstlerischen Selbstinszenierungen, etwa von Jürgen Klauke, Urs Lüthi, Nan Goldin oder Cindy Sherman, bei denen der radikale Einsatz des eigenen Körpers im Mittelpunkt steht.

Petra Roettig

Details zu diesem Werk

Aquarell und Ölkreide auf Fotografie 480 x 600 mm (Blatt) Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett Inv. Nr.: 1975-62 Sammlung: KK Zeichnungen, 20.-21. Jh. © Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Christoph Irrgang

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